Reiseführer Mechelen

Tour 2: Vom Palast der Margarete von York zur Brauerei Het Anker

Ausgangspunkt ist die ehemalige Jesuitenkirche Peter und Paul (5), die wir schon auf unserer ersten Tour ansteuerten.

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Hof van Busleyden

Weiter geht es von der Keizerstraat zum Veemarkt und zum ehemaligen Hof von Prant, heute als Schule genutzt. Hier residierte einst ein Schöffe der Stadt, der Baron Cosmas van Prant. Sogenannte Kräuselgiebel weisen auf die Formensprache des Barock hin, während die sonstige strenge Fassadengliederung auf die Renaissance hindeutet, insbesondere die hohen Kreuzfenster, die in Dreiereinheiten angeordnet sind. Über die Straße Biest gelangen wir zum Haus „Het Schip“ in der Fred. De Merodestraat 63. Charakteristisch für diesen Bau ist sein hohes Satteldach. Entstanden ist das Haus im Stil des Rokoko in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nebenan steht der aus Sand- und Backstein und im Stil der Spätgotik und Renaissance erbaute Hof van Busleyden (6), der im Verlauf des Ersten Weltkriegs zerstört wurde und nachfolgend wieder im alten Glanz entstand. Der Name der Hofanlage mit weithin sichtbarem Turm geht auf einen Gerichtsrat der Stadt zurück. Dieser Gebäudekomplex diente im Verlauf der Geschichte unter dem Namen „Berg on Barmherzigkeit“ auch als Wohlfahrtseinrichtung für Bedürftige. Die Hofanlage ist durch zwei Zugangstore zugänglich und ist durch eine bezinnte Mauer gegenüber der Außenwelt abgeschlossen.

Zu den sehenswerten Kirchen der Stadt zählt die St. Johannes-Kirche (7): Die aus weichem Sand- und Backstein errichtete Kirche, die während der Religionskriege auch mal als Kaserne und Stall dienen musste, weist einen viereckigen Westturm auf. Besonders zu beachten sind die spätbarocken Kirchenmöbel des Mechelner Bildhauers Theodor Verhaegen und seines Schülers Pieter Valckx. Meisterlich gearbeitet ist Verhaegens Kanzel: Unter dem Kanzelkorb sieht man Christus als guten Hirten, der von drei Männern umringt wird, die für die Lebenszeiten stehen.

An der Einmündung der Goswin de Stassartstraat hatten sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fromme Schwestern des Ordens Arme Klarissen niedergelassen. Zum ehemaligen, in Backstein errichteten Klosterkomplex gehört auch eine Kapelle im klassizistischen Stil. Flachpfeiler mit goldenen Kapitellen gliedern den weiß getünchten Raum. Durch eine Öffnung, die mit Scherengitter versehen war, konnten die Schwestern dem Gottesdienst beiwohnen. Heute dient die Kapelle Veranstaltungszwecken, während im Klostergebäude ein Blumenladen und ein Restaurant sowie Stundenwohnungen untergebracht sind.

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Refugium der Abtei St. Truiden

Um die Ecke, in der Schoutenstraat, gliedert sich um einen kleinen Innenhof der backsteinerne Hof des Willem de Clerck. Dieser wurde von der Klostergemeinschaft des Bethanienklosters erworben, die bis zur Französischen Revolution hier nach Klosterregeln lebte. Anschließend sorgte an gleichem Ort die Brauerei „De Posthoorn“ – man beachte das Relief des Posthorns an der Fassade – für leckeren Gerstensaft. Nunmehr empfängt der Inneneinrichter Trendson in diesem Komplex seine Kunden. Nur wenige Schritte sind es zum Refugium der Benediktinerabtei von St. Truiden, ein sehr gut erhaltener Komplex im Renaissancestil. Im Refugium der Nobertinerabtei von Tongerlo – gehalten in flämischer Renaissance – werden heute kostbare Wandteppiche in der Königlichen Manufaktur G. De Wit aufwändig restauriert. Weiter geht es zur Kanunnik De Deckerstraat und zum sogenannten Kleinen Beginenhof (8).

Kleiner Beginenhof

Kleiner Beginenhof

Bei diesem Beginenhof handelt sich wie beim Großen Beginenhof um einen Straßenbeginenhof, der ursprünglich über drei Tore zugänglich war und seine heutige Ausformung nach den Religionskriegen erhielt. Bis heute kann man hier und da Rundbogenpforten als Zugänge, aber auch die eine oder andere gemeinschaftlich genutzte Pumpe entdecken, die auf Zeiten verweisen, als Beginen noch in Mechelen lebten. 1993 verstarb mit Schwester Melanie, Maria Van Campenhout, die letzte ihrer Zunft. Sie war 1913 Begine geworden.

Ehe wir den Großen Beginenhof besuchen, statten wir der St. Katharinenkirche (9) einen Besuch ab. Aus Sandstein wurde diese Kirche mit dreischiffigem Langhaus erbaut. Auffällig ist der Vierungsturm, ein typisches Merkmal der sogenannten Scheldegotik. Abgeschlossen wird der Bau mit einem einschiffigen Chor. Gemälde aus der Barockzeit wie die „Anbetung der hl. Drei Könige“ von M. Moreels und die im Spätbarock gehaltene Kanzel von P. Valckx sind besonders sehenswert.

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Große Beginenhof als Straßenbeginenhof außerhalb der damaligen Stadtmauern errichtet. Ihn erreichen wir im Westen der St. Katharinenkirche. Inmitten des Straßenbeginenhofs erhebt sich die Beginenhofkirche (10), an deren Restaurierung seit Mitte der 1970er Jahre gearbeitet wird. Dieser Sakralbau aus dem 17. Jahrhundert ist dem hl. Alexius und der hl. Katharina gewidmet. Die monumental gestaltete Fassade ist gen Südwesten gerichtet. Im Inneren der Kirche findet man einige Arbeiten des sehr bekannten Mechelner Barockbildhauers Lucas Fay'herbe, darunter „Maria mit Jesuskind“ und eine „Mater Dolorosa“. Der barocke Hochaltar mit der Darstellung des hl. Alexius und der hl. Katharina stammt von Jan Van Den Steen. Am östlich der Kirche gelegenen Kirchhof stößt man auf das vormalige Zellenbrüderkloster. Die Ordensbrüder lebten ein beinahe eremitisches Dasein und mussten ihre Bleibe aufgeben, als sich der Beginenhof 1614 ausbreitete. Hinfort nutzten die Beginen den Südflügel des Klostergebäudes als Scheune und Lagerraum.

Großer Beginenhof Mechelen

Großer Beginenhof, Hoviusstraat

Wie der Kleine Beginenhof so ist auch der Große Beginenhof heute ein in die Stadt vollständig integriertes Wohngebiet. Zentrale Straße des Großen Beginenhofs ist die Nonnenstraat. An ihr lebte einst auch die Vorsteherin der Beginen, in unmittelbarer Nähe zur Beginenhofkirche. Von der Nonnengasse geht mit dem Jesustor ein idyllischer Wohnhof ab. Eine weitere durch ein Tor abgeschlossene Hofanlage findet sich hinter dem sogenannten kleinen Tor. Die Häuser sind aus hellem Backstein erbaut worden und werden teilweise mit sogenannten Specklagen in Naturstein gegliedert. In der Twaalf Apostelenstraat stößt man auf gleich drei Konvente, darunter das der 12 Apostel. In derartigen Konventen lebten wenig begüterte Beginen – ein Armengelöbnis kannten Beginen nicht! – unter einem Dach. Ansonsten wohnte jede Beginen in ihrem eigenen Häuschen, entstammten sie doch auch aus angesehenen Adelsfamilien und wohlhabenden Kaufmannsfamilien und verfügten dementsprechend über einen gewissen Wohlstand. Neben der Twaalf Apostelenstraat ist auch die Hoviusstraat im architektonischen Gesamtbild sehr gut erhalten. Direkt am Areal der Brauerei Het Anker steht das Erzbischöfliche Konvent, auch das Konvent der Zehn Gebote genannt.

Großer Beginenhof, Jezuspoort, Mechelen

Großer Beginenhof, Jezuspoort

„Auf ein Carolus, Prost“ heißt es, wenn man die Brauerei Het Anker (11) besucht. Sowohl von der Hoviusstraat als auch von der Guido Gezellelaan ist die Brauerei zugänglich. Die Geschichte dieser Brauerei – sie ist heute die Einzige in Mechelen – geht auf die Mitte des 14. Jahrhunderts zurück, als die Beginen hier begannen, Gerstensaft zu brauen. Zudem befand sich an der Stelle der heutigen Brauerei das Krankenhaus der Beginen. Zuvor fanden die Mitglieder der St.-Bernard-Abtei von Hemiksem hier bei religiösen Unruhen Unterschlupf. Die Französische Revolution machte den Klöstern, Abteien und auch dem Beginenhof ein Ende. Aus der Zeit der Beginen ist an der Guido Gezellelaan noch ein schöner Bau aus Back- und Sandsteil erhalten geblieben.

Das Braurecht vor Ort geht auf Karl den Kühnen, eigentlich Karl von Burgund zurück, der den Beginen das Brauen gestattete. Längst ist an Ort und Stelle eine moderne Brauerei entstanden, in der in vier Braukesseln Bier gebraut wird. Je Braugang sind es 110 hl Spezialbier. Wie das Brauen vonstattengeht, kann man auf einer Führung im Detail erfahren. In der Brasserie der Brauerei kann man sich eines oder auch mehrere der leckeren Spezialbiere schmecken lassen. Da wäre das Gouden Carolus Classic. Wie der Name schon verrät, der Klassiker aus der Brauerei Het Anker. Es handelt sich um ein obergäriges, dunkles, rotbraun gefärbtes Bier mit einem Alkoholgehalt von 8,5 % alc. vol. Malzig-aromatisch und ein wenig nach Karamell schmeckt dieses Bier, ohne ins Süßliche abzurutschen. Ja, belgische Spezialbiere haben es in sich. Das gilt auch für das goldblonde, nicht minder starke Lucifer mit seinem cremigen Geschmack: Der Teufel mag es eben kräftig. Dafür sorgen 8 % alc. vol. Sehr fruchtig und mit geringem Alkoholgehalt als ein Bier für das weibliche Geschlecht anzusehen ist Boscoli. Ja, das klingt nach Waldbeere. Die Basis dieses sehr erfrischenden Biers ist ein helles Weizenbier, dem Fruchtsirup hinzugefügt wird.

Doch kommen wir zum Bier für „wahre Kerle“ zurück: Das vollfruchtige Gouden Carolus Cuvée van de Keizer Rood wurde 2008 erstmals mit mehreren Malzsorten gebraut und zeichnet sich durch die besondere Beimengung von drei verschiedenen Gewürzen aus. Angesichts von 10 % alc. vol. sollte man wohl nicht zu tief ins Glas schauen. Am Geburtstag von Kaiser Karl im Jahre 1999 braute man erstmals Gouden Carolus Cuvée van de Keizer Blauw (11 % alc. vol.) auf Basis des Gouden Carolus Classic.

Carolus Bier in der Brauerei Het Anker

Als Stadtbier Mechelens schenkt man das Maneblusser aus. Es handelt sich um ein blondes Bier mit 5,8% alc. vol. Kenner schätzten den leichten Zitrusgeschmack und den feinen Abgang. Das Maneblusser wird übrigens durch Flaschengärung noch verfeinert. Zum Namen gibt es eine kleine Geschichte, die auf den 27./28. Januar 1687 zurückging, als der Mond die in Nebel gehüllte Spitze des St. Rombouts-Turms in glutrotes Licht setzte. „Brand, der Turm brennt!”, rief ein dem Alkohol sehr zugetaner Bürger der Stadt. Die Notglocke wurde geläutet, und jedermann wollte beim Löschen helfen. Ehe jedoch die Kirchturmspitze erreicht worden war, verzog sich der Nebel und das Mondlicht wurde deutlich sichtbar. Seither heißen die Bürger der Stadt halt allgemein Maneblussers.

Information

Tourismus Mechelen
https://toerisme.mechelen.be/de

De Wit
https://toerisme.mechelen.be/de/fhrung-durch-die-knigliche-manufaktur-de-wit

Het Anker
http://www.hetanker.be
https://www.facebook.com/hetanker
https://twitter.com/BreweryHetAnker

Katharinenkirche
Sint-Katelijnestraat
2800 Mechelen
https://toerisme.mechelen.be/nl/sint-katelijnekerk

Beginenhofkirche
Nonnenstraat 28
2800 Mechelen

https://toerisme.mechelen.be/nl/begijnhofkerk



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