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Berlin
Kunsthaus Dahlem


Porträt Berlin
Künstlerische Positionen der
Berliner Nachkriegsmoderne 1945-1955
bis 18. Juni 2017


Bildnerisches Werden
Skulptur und Fotografie Fritz Kühns 1945-1967
bis 18. Juni 2017

Künstlerische Positionen der
Berliner Nachkriegsmoderne 1945-1955

In der Ausstellung werden über 70 Werke von fast 20 Künstlern und Künstlerinnen aus den Gattungen Skulptur, Malerei, Grafik und Fotografie gezeigt, u.a. von Ruthild Hahne, Karl Hartung, Bernhard Heiliger, Jeanne Mammen, Louise Stomps und Hans Uhlmann.

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Gerhard Marcks: Gefesselter Prometheus II (1948) Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen; VG-Bildkunst, Bonn 2015

Im ehemaligen Atelierhaus des Bildhauers Arno Breker, Hitlers Lieblingsbildhauer und von den Nazis protegiert, residieren heute das Kunsthaus Dahlem und die Bernhard-Heiliger-Stiftung. In der weitläufigen Gartenanlage, aber auch im Haus selbst sind Arbeiten von Heiliger zu sehen, teilweise wie die Kopfbüste von Carl Hofer als Teil der Sammlungspräsentation, teilweise aber auch separiert, so die beiden überlebensgroßen Arbeiten aus Naturfaserzement, „Zwei Figuren in Beziehung“ und die „Große Nike“, die vor allem durch die fließenden organischen Formen einen anderen Ausdruck vermitteln als die sonstigen Arbeiten von Heiliger. Man denke zum Beispiel an „Explorer“. Beim Anblick dieses Werk muss man an eine Weltraumrakete, aber auch an einen Torpedo denken, auch wenn Heiligers Werk auf einem Sockel geerdet ist.

Gefesselt in dieser Welt

Als Erstes fällt der Blick des Besuchers, der das Kunsthaus betritt, auf Georg Kolbes Skulptur „Der Befreite“. Wer sich mit dem Werk von Wilhelm Lehmbruck auskennt, der wird gewiss eine Nähe zu dem „Gestürzten“, vor allem aber zum „Sitzenden Jüngling“ ausmachen können. 1949 schuf Kolbe seine Skulptur, die eher an einen Geschlagenen, einen Verzweifelten, einen Trauernden, einen Verlierer erinnert. Gebeugt ist der Oberkörper des Mannes. Der athletische Körperbau mit tektonischer Oberfläche täuscht nicht darüber hinweg, dass hier jemand vor uns sitzt – der Mann hockt auf einem Felsensockel –, der traumatische Erlebnisse zu verarbeiten hat und seine Befreiung gar nicht wahrnimmt. Ähnlich in der Anlage der Haltung ist auch der „Gefesselte Prometheus“ von Gerhard Marcks. Prometheus Kopf ruht auf dem einen Oberschenkel, die gefesselten Hände auf dem anderen. Gedemütigt schaut Prometheus aus, der aus dem Geschlecht der Titanen stammt, aber der Allmacht des Zeus unterlag und den Menschen das Feuer brachte. Dem griechischen Dichter Aischylos wird die Tragödie „Der gefesselte Prometheus“, die wohl Vorlage für Marcks‘ Werk war, zugeschrieben.

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Louise Stomps: Nachdenkende (1946/47) Privatsammlung, Nachlass Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt am Main

Die nackte Maya und Paris?

Mit einem Augenzwinkern schuf Gustav Seitz sein Bronzerelief „Der Wählerische“, bei dessen Anblick man an das Urteil des Paris denken muss. Die drei Damen der Seitz‘schen Arbeit buhlen um die Gunst des Mannes. Eine von ihnen verdeckt schamhaft mit den Händen ihr Geschlecht. Die beiden anderen sind dagegen forsch und fordernd, die Aufmerksamkeit des Mannes suchend. Für wen dieser sich entscheiden wird, bleibt offen, anders als im Urteil des Paris. Um weibliche Reize geht es auch in Marcks‘ überlebensgroßer Maya, wenn diese auch nicht längst so lasziv wie die nackte Maya von Goya wirkt.

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Gerhard Marcks: Maja (1942) Foto: bpk/Jörg P. Anders; Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie. Erworben durch das Land Berlin

Aus einem Marmorblock

Die aufgrund eines Motorradunfalls unerwartet verstorbene Louise Stomps, Gründungsmitglied des Bundesverbandes Bildender Künstler Berlin nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ist mit zwei Arbeiten in der sehenswerten Schau vertreten. Auffallend ist die Blockhaftigkeit ihrer Arbeiten. Sie schälte den „Nachdenkenden“ aus einem Marmorwürfel heraus, der nichts mit Rodins Denker gemein hat. Die Figur von Stomps kniet, während sie ihren Körper lang streckt und den Kopf auf eine Hand gestützt hat. Fürwahr ist dies eine eher ungewöhnliche Haltung, um nachdenken zu können. Noch stärker lässt Stomps bei ihrem „Kauernden“ den Marmorblock wirken, den sie nur wenig eingekerbt hat, um die Umrisse einer menschlichen Figur sichtbar zu machen. Im Vergleich zu der massigen Blockhaftigkeit arbeitete Karl Schmidt-Rottluff mit eher organisch-runden Formen, aus denen er seine Figuren herausschälte.

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Louise Stomps: Nachdenkende (1946/47) Privatsammlung Nachlass Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt am Main.

In Anlehnung an Maillol scheint Fritz Cremer seine „Eva“ konzipiert zu haben. Dies würde ein formaler Vergleich zwischen „Pomona“ von Maillol und Cremers „Eva“ unterstreichen. Dass wir neben dem „Gefesselten Prometheus“ auch eine „Gefesselte“ zu Gesicht bekommen, ist Gustav Seitz geschuldet, der sich dem Thema angenommen hatte. Seine Figur strahlt allerdings m. E. weniger Pathos aus als der „Gefesselte Prometheus“.

Karl Hartungs „Liegende“, ein Torso mit organisch-fließenden Formen, scheint beinahe auf dem Sockel zu schweben. Auf ihr Armstümpfe ist die Figur ebenso gestützt wie auf das Becken und die Beinstümpfe. Doch die Erdung scheint flüchtig, ähnlich wie bei Henry Moors Liegenden, die auch immer „Leerräume“ umschließen. Nicht aus massiver Bronze, sondern aus Eisenstäben besteht Hans Uhlmanns „transparente Skulptur“ mit dem Titel „Entspannung“, obgleich man beim Anblick eher an Verwicklung und Verworrenheit denken muss.

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Hans Uhlmann: Kopf (vor 1942) Foto: Hans-Joachim Uhlmann
VG-Bildkunst, Bonn 2015

Büsten, nicht nur von Hofer und Unbekannten

In einem Teil der sehenswerten Präsentation hat man sich auf Porträtbüsten konzentriert. Dabei ist auffallend, dass Bernhard Heiliger sich mit seiner Büste von Carl Hofer dem Prinzip des Aufsockelns widersetzte. Der Hals- und Schulteransatz ist zerfließend-rund. So muss die Büste aufgesteckt werden, um auf einen Sockel zu passen. Die klassische Büste ruht mit Hals, Schulter oder Brust auf einem Sockel. Einem „organischen Tetraeder“ entspricht der schmale „Unbekannte Kopf I“ von Karl Hartung. Scheibenförmig gestaltete Jeanne Mammen ihr „Doppelprofil“, zwei Köpfe, die ineinander gesetzt wurden. Darüber hinaus kann man Mammens „Krieger II“ in Augenschein nehmen.

Sehr beeindruckend ist der Entwurf Heiligers für ein Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen. Ein kniender Torso ist von einem Geäst von Stacheldraht eingehüllt. Karl Hartungs liegendem Torso sehr ähnlich ist Heiligers „Gelagerte“. Fazit: Man wünschte sich mehr solcher „Übersichtsausstellungen“ zur gegenständlichen und auch figurativ-abstrakten Bildhauerei.

Text: ferdinand dupuis-panther


Bildnerisches Werden
Skulptur und Fotografie Fritz Kühns 1945-1967


Mit etwa einem Dutzend Fotografien und ebenso vielen Skulpturen präsentiert das Kunsthaus Dahlem das Schaffen des Bildhauers Fritz Kühn (1910-1967).

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Plastische Form "Von Spitz zu Flach", 1959, Stahl geschmiedet Copyright liegt bei Achim Kühn.

Auf der Galerie des eh. Breker-Ateliers widmet man sich unter dem Titel „Bildnerisches Werden“ den Skulpturen und Fotografien von Fritz Kühn. Es ist eine sehr, sehr überschaubare „Kabinett-Ausstellung“.

Der gelernte Kunstschmied Fritz Kühn schuf unter anderem, so ist dem kurzen Saaltext zu entnehmen, Treppengeländer für das Zeughaus und die Staatsoper (beide in Ostberlin!). Seine ersten fotografischen Arbeiten wurden 1947 veröffentlicht. Von 1964 bis zu seinem unerwartetem Ableben 1967 war Kühn Professor an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Nach seinem Tod wurden die Arbeiten Kühns zum Kulturerbe der DDR erklärt. Im öffentlichen Raum gestaltete Kühn den Brunnen auf dem Strausberger Platz, das A-Portal der Berliner Stadtbibliothek und das Lindenblatt-Portal der Polnischen Botschaft.

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"Transparenz", 1964, Stahl, Mischtechnik
Copyright liegt bei Achim Kühn.

Neben fotografischen Arbeiten, die auf der Expo 1958 in Brüssel entstanden sind, darunter auch die Aufnahme des Atomiums in „Untersicht“, werden weitere „Schnappschüsse“ von der Expo präsentiert, sehr persönliche Momentaufnahmen. Für den bundesdeutschen Pavillon, der von Egon Eiermann und Sep Ruf entworfen wurde, schuf der in Ostberlin beheimatete Kühn ein aufwendiges Flechtwerkgitter, von dem ein kleines Segment in der Schau zu sehen ist. Kein Moebiusband, sondern eine geschwungene Form, die entfernt an eine Schleife erinnert, entstand 1959. Neben einer Spiralform mit je einem spitzen und einem schaufelförmigen Ende sieht man aufgesockelt eine Kreuzform. An ein Drehkreuz denkt man beim Anblick einer „transparenten Komposition“. Rostrot lackiert wurde von Kühn eine Bügelform. Schaut man sich diese an, kann man durchaus auch an japanische oder chinesische Schriftzeichen denken.

Text: ferdinand dupuis-panther


KUNSTHAUS DAHLEM
KÄUZCHENSTEIG 8
14195 BERLIN-DAHLEM
http://kunsthaus-dahlem.de/informationen/oeffnungszeiten/


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