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Hamburg
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Außenstelle Schloss Bergedorf Museum für Bergedorf und die Vierlande

Wilhelm M.Busch – Zeichner und Lehrer bis 28. März 2010
Text: ferdinand dupuis-panther
© für die Abb. Rechtenachfolger von Wilhelm M.Busch

Nein, der Schöpfer von „Max und Moritz“ und  der „frommen Helene“ ist in der Ausstellung nicht zu sehen. Die Namensgleichheit allerdings könnte den unbedachten Leser auf diese falsche Fährte führen. Gezeigt wird aktuell aus Anlass seines 100. Geburtstages das umfangreiche Werk des Zeichners  Wilhelm Martin Busch (1908-1987), einer der bedeutendsten Illustratoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit über 300 illustrativ behandelten Büchern, darunter die großen Erzähler der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts, wurde Busch der produktivste und vielseitigste Zeichner auf diesem Gebiet. Von der Presseillustration über Zeichnungen zur Weltliteratur bis hin zu seinen freien Arbeiten zu St. Pauli oder Zirkus bietet die Ausstellung das ganze Spektrum an Themen und an Techniken, die das Werk dieses Ausnahmezeichners bestimmt haben.

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Wilhelm M. Busch, Ballettänzerin

Wie vielfältig und abwechslungsreich das zeichnerische Schaffen von Busch war, unterstreichen die gleich zu Beginn der Ausstellung zu sehenden Arbeiten: hier Don Quichotte auf seinem dahintrottenden Klepper und dort mit wenigen Strichen aufs Papier geworfen der Pantomime Marcel Marceau. Dem Clown Charles Rivel begegnen wir ebenso wie zwei Skiläufern, die einer Illustration für „Film und Frau“ entstammen. Mit dem Filzstift zeichnete Busch ebenso wie mit Tusche und Feder, mit Bleistift und bunten Kreiden, wie die obig genannten Arbeiten zeigen.

Literatur illustriert

Illustrationen zu Werken der Weltliteratur finden wir im Opus des Künstlers gleichfalls, betrachtet man „Puschkins Leben in vier Akten“ und „Licht im August“ von William Faulkner. Legendär sind Buschs Arbeiten zu Tucholskys „Schloss Gripsholm“. Besonders diese Arbeit begründete wohl seinen guten Ruf als Illustrator. Darüber hinaus hat Busch auch Märchen der Gebrüder Grimm illustriert, so auch „Gevatter Tod“. Außerdem wurde Ernest Hemingways „Der Unbesiegte“ von Busch mit Zeichnungen versehen. Für die „Hör zu“  zeichnete Busch 1964 zum Beispiel Szenen zu im Rundfunk gesendeten Hörspielen wie „Der Mann auf der Palme“.

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Wilhelm M. Busch, "Stierkampf", 1963

Nicht nur Selbstbildnisse

Das Porträt ist neben den Illustrationen zu ausgewählter Literatur in der sehenswerten Ausstellung außerdem zu sehen. Der Künstler malte mit forschem Farbauftrag das Porträt seiner Mutter und ein Selbstbildnis in Öl. Von sich fertigte Busch zudem eine Kohlezeichnung und eine Radierung an, die ihn als älteren Mann zeigt.  Zu Buschs Porträtarbeiten gehört außerdem die mit farbiger Kreide und Bleistift gezeichnete „Spanierin“. Als wäre er auch Zeichner für ein Fashion-Magazin gewesen, so erscheinen Buschs Bleistiftzeichnung einer Schülerin und sein sitzendes Modell.

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Wilhelm M. Busch, "Stierkampf", 1963 Tusche/Aquarell

Hoch zu Ross
Eine Serie von Arbeiten widmet sich dem Thema „Ross und Reiter“. Dazu gehört der Turnierreiter, den Busch 1960 bei einem Reitturnier in Flottbeck auf Papier bannte. Skizzenhaft und mit schnellem Strich zeichnete der Künstler „An der Longe“. Schemenhaft erscheint hingegen „Pferd mit Kutscher“. Wartende Friesenpferde, die dem Betrachter ihre breiten Hinterteile zeigen, entstanden als Kohlezeichnung. Ähnlich wie Pferde finden sich bei Busch auch eine Reihe von Zeichnungen, die sich mit dem Stierkampf beschäftigen. Darunter ist das 1963 gemalte Aquarell „Stierkampf“. In einer weiteren Stierkampfszene scheint der Stier auf das rote Tuch des Toreros loszustürmen. Dieser streicht damit geschickt über das Gehörn des Stiers. In der Filzstiftzeichnung eines Stierkampfes wendet der bullige Stier grazil auf der Hinterhand, um sich dem Torero zuzuwenden. Doch auch der wenig kampfeslustige, blutende Stier, in dessen Nacken Spieße stecken, ist in der Reihe der Arbeiten von Busch zu sehen.

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Wilhelm M. Busch, Freiheitspferde im Sattelgang

Nutten, Freier, Zuhälter
Ähnlich wie Elfriede Lohse-Wächtler hat sich Busch den Kiezbewohnern auf St.Pauli gewidmet, den drallen ältlichen Dirnen und den gierigen Freiern. Typen wie der Dicke im roten Pullover, schlotternden Hosen und mit einem Backenbart im Gesicht gehören zu St.Pauli wie die Eckkneipe in der Bernhard-Nocht-Straße, in die uns Busch blicken lässt. Als Busch Szenen auf St.Pauli mit dem Zeichenstift festhielt, gab es noch Striptease-Bars und von Table Dance war keine Rede. Auf der Bühne entblätterten sich wohl gewachsene Damen vor den Augen einiger Herren. Im Fenster – wohl in der Herbertstraße – zeigt sich eine vollschlanke Bordschwalbe, die auf Kundenfang ist, so in einer weiteren Zeichnung aus dem Jahr 1968. Dank Busch weiß man zudem, wie es in der Goldcoastbar im Jahr 1965 zuging und dass die Damen des horizontalen Gewerbes auf Hochfrisuren standen. Wer allerdings glaubt, Busch habe vor Ort gezeichnet, der unterliegt einem Irrtum: „Im ersten Hinsehen“, so schreibt Busch, „mag es so erscheinen, als wären sie unmittelbar vor Ort flüchtig hingeschrieben worden. Das stimmt und ist wiederum auch nicht richtig. … Vor der Wirklichkeit von St.Pauli sah ich mich nicht in der Lage, meine Erlebnisse direkt vor der „Natur“ zeichnend wiederzugeben. … Ich konnte nach meinen „Beutezügen“ auf den Straßen immer mal wieder beim „Onkel Hugo“, einem der wenigen gutbürgerlichen Lokale … in Ruhe ein Glas Bier trinken. Dabei habe ich dann das eben Erlebte in einem Skizzenbuch doch fast unmittelbar festgehalten.“

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Wilhelm Busch, Raubtierdompteure, um 1965

Die Welt der Artisten
Schließlich widmete sich der betagte Busch der Welt des Zirkus und schreibt: „…Der Artist sieht im Zeichner in erster Linie den Artisten-Kollegen – den geschickten Mann der Feder. … Artisten können Skizzen lesen. Sie haben Sinn für Abkürzungen, für die zeichnerische Pointe. … Nie habe ich im Circus einem Porträt gegenüber irgendeine Empfindlichkeit des Dargestellten erlebt. Im Circus kennt man das Leben, hat man die Größe, sich mit dem Alter abzufinden.“ Er begegnete bei der Arbeit Clowns wie Grock und Popov, ganz abgesehen von den Brüdern Rivel und fragte sich dabei: „Werde ich bald den letzten Clown im klassischen Entree gesehen haben?“ Busch porträtierte nicht nur Clowns, sonder zeichnete auch Trapezkünstler mit dem Filzstift und mit farbiger Kreide Frau Sembach-Krone in langem Kleid bei ihrem Auftritt in der Manege. Auf dem Sattelplatz schaute er Jongleuren und anderen Artisten bei ihren täglichen Übungen zu und verfolgte die gekonnte Balance einer Seiltänzerin, die in ein knappes rotes Kostüm gehüllt ist.


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