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Münster
Picasso-Museum

Picasso – Die Kunst des Porträts
bis 21. Mai 2017

Ausstellungen

Picasso – Die Kunst des Porträts

Die Ausstellung präsentiert einen umfassenden Überblick über Picassos Porträtkunst. Seine unzähligen Porträts von Frauen, Musen und Freunden, aber auch von Kollegen, Sammlern und Galeristen waren nicht nur formale Experimente, sondern auch eine gemalte oder gezeichnete Autobiografie.

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Pablo Picasso, Figur mit gestreifter Bluse, 1949, Lithografie © VG Bild-Kunst, Bonn 2017/Succession Picasso, Paris

Ein wenig überrascht ist der Besucher der Schau, stößt er zunächst auf das nachstehende Zitat von Dora Maar, eine der Geliebten von Pablo Picasso: „Alle seine Porträts von mir sind Lügen.“ Das Urteil ist hart und macht zugleich nachdenklich, wenn man vor den Porträts der Geliebten und Freunde des spanischen Malers steht. Fotoreproduktionen der Porträtierten ermöglichen es dem Besucher, einen Vergleich zwischen Wirklichkeit und künstlerischer Freiheit anzustellen, so auch bei Jacqueline.

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Pablo Picasso, Komponierte Figur II, 1949, Lithografie © VG Bild-Kunst, Bonn 2017/ Succession Picasso, Paris

An seiner Seite bis zum Tod

Dabei handelt es sich um Jacqueline Roque, die 46 Jahre jünger als Picasso war. Dieser ging mit ihr auch die Ehe ein, die bis zum Tod des Künstlers Bestand hatte. Zu sehen ist eine Frau in Seitenansicht, die ihre Haarpracht unter einem dekorativen, blau-weiß gemusterten Kopftuch verborgen hat. Dazu trägt die Dame eine hellblaue Bluse, die so ausschaut, als wäre sie aus Denim geschneidert worden. In einem der Porträts, das Picasso geschaffen hat, schaut sie ernst. Merkwürdigerweise ist die Figur an den linken Bildrand gerückt worden. In „Frau mit gemusterter Bluse“ (28.11.1958), eine Lithographie, zeigt sich Picassos Sinn für das Dekorative, das man eigentlich aus dem Werk von Matisse kennt. Im Gegensatz zum Foto fallen die sehr großen Augen auf, die Picasso seiner Muse und Gespielin in „Büste mit karierter Bluse“ „angedichtet“ hat. Das Porträt wirkt starr und skulptiert, trotz der Schummerungen im Gesicht. Zu sehen ist auch die „Lesende Jacqueline“ (27.12.1958), eine Arbeit, in der sich Picasso als Meister der Lichtdramaturgie zeigt. Man betrachte dafür das Licht- und Schattenspiel im Gesicht der Porträtierten. Kubistische Anmutungen findet man bei der Darstellung, welche die Geliebte in einem Lehnstuhl zeigt. Vollbusig ist sie dargestellt, beinahe ganz in dem großen Ohrensessel verschwindend. Vieräugig ist Jacqueline, so dargestellt, weil Picasso wohl die rasche Kopfbewegung als Momentaufnahme zweidimensional einfangen wollte. Zweigesichtig erscheint „Jacqueline mit Stirnband“. Es scheint, als habe Picasso im Laufe der Jahre die Porträtierten typisiert, sich von Details gelöst. Nur noch wesentliche Merkmale wie die langen glänzenden Haare und die prägnante Nase scheinen von Bedeutung. Auch die Furchen, die das Leben hinterlassen hat, verschweigt Picasso nicht. Kein Wunder. „Wenn du die menschliche Gestalt malst, ist es oft gerade der Kopf, der alles verdirbt. Wenn du überhaupt keine Details einfügst, bleibt es ein Ei, kein Kopf“ (Pablo Picasso).

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Pablo Picasso, Porträt D.-H. Kahnweiler I, 1957, Lithografie © VG Bild-Kunst, Bonn 2017/Succession Picasso, Paris

Porträts und Abstraktion

Gerade anhand der Porträts in unterschiedlichen Zuständen ist abzulesen, in welcher Weise Pablo Picasso formal experimentierte und prozessual gearbeitet hat. So auch bei „Die Frau im Liegestuhl“ aus dem Winter 1948/49. Daneben entdecken wir die Porträts einer Dame in einer sehr schön gearbeiteten, mit folkloristischen Mustern versehenen Jacke. Diese hatte Picasso seiner Geliebten Françoise Gilot aus Breslau mitgebracht. Mit dieser Dame pflegte er eine von 1943 bis 1953 andauernde Beziehung. Während dieser Jahre wurden zwei Kinder gezeugt, Claude, geboren 1947 und Paloma, geboren 1949. Die Jacke und ihre Dekors sind in einigen Farblithografien ganz zentrales Bildmotiv. Auch in den Schwarz-Weiß-Grafiken ist diese Jacke nicht zu übersehen. Der Blick des Betrachters fokussiert sich auf sie, auch wenn nur eine lineare Gestaltung zu entdecken ist. Die einzelnen Grafiken bzw. Zustände reflektieren Picassos Hinwendungen zu naturalistischen oder auch abstrakten Bildgestaltungen. Teilweise erscheint die Dargestellte gleichsam als ein Harlekin, so bei den farbigen Lithografien. Vegetabile Dekors und die Puffärmel der Jacke sind gleichbleibende Elemente während der fortlaufenden Zustandsänderungen.

Wie er sich selbst sah

Zumeist porträtierte Picasso seine jeweilige Herzdame, aber es gibt in der Schau auch einige Porträts männlicher Freunde zu sehen. Obendrein zeigt man drei Porträts vom jugendlichen Picasso, die 1945 entstanden. Konzentriert ist dabei der Blick Picassos. In einer Arbeit von 1962 erscheint der Künstler eher als Abbild einer antiken Büste.

Als Teenager getroffen

Verweilen wir einen Moment vor dem Porträt von Fräulein Rosengart aus dem Jahr 1964. Nur fünfmal hat der spanische Künstler diese distinguierte Dame überhaupt als Modell gewinnen können. Dabei handelt es sich um Angela Rosengart, die auch in einem Filminterview zu ihrer Begegnung mit dem spanischen Künstler Stellung nimmt. Sie ist eine sehr bekannte Kunstsammlerin aus Luzern, die Picasso erstmals als Teenager traf. 50 Mal sind die beiden dann zu Picassos Lebzeiten aufeinandergetroffen, vor allem dann, wenn die Familie von Angela Rosengart ihre Ferien in Südfrankreich verbrachte. Wie im Filminterview so ist auch in dem gezeigten Porträt einer jungen Frau mit hoher Stirn und sehr schmalem, ovalen Gesicht fällt der Blick des Betrachters auf den filigranen Schmuck, den Rosengart trägt. Picasso war an dessen möglichst modellgetreuer Umsetzung sehr interessiert und arbeitete akribisch daran, wie Rosengart im Interview betont. 2 ½ Stunden musste Rosengart nach eigener Aussage dem Meister Modell sitzen. Eine weitere halbe Stunde danach war die Lithografie gedruckt, die sie stets sehr beeindruckten, so ein O-Ton von Angela Rosengart.

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Pablo Picasso, Porträt eines jungen Mädchens nach Cranach d.J. II, 1958, Farblinolschnitt © VG Bild-Kunst, Bonn 2017/Succession Picasso, Paris

Männliche Modelle

Françoise Gilot begegnet der Besucher der Ausstellung erneut, wenn er Lithografien von 1946 gegenübersteht. Darüber hinaus aber zeigt die Schau auch drei Porträts von Daniel Henry Kahnweiler. Er war ein deutsch-französischer Galerist, Kunsthistoriker, der Picasso sehr verbunden war. Zudem entstammt seiner Feder das kunsthistorische Buch „Der Weg zum Kubismus“. Auffallend sind der kantige Schädel mit den großen Ohren und die von Falten zerfurchte Stirn, die in Picassos Arbeiten hervorgehoben wurden. Zu den Porträtierten gehört schließlich der Kunsthändler Ambroise Vollard.

Picasso und die Paraphrasierungen alter Meister

Weder vor Cranach d.J. noch vor El Greco machte Picasso halt. Allerdings veränderte Picasso die Vorlagen und fertigte deren Spiegelbilder, so auch das „Porträt eines jungen Mädchens“ nach Cranach d. Jüngeren. Die Darstellung von El Grecos „Mann mit Halskrause“ unterwarf Picasso beinahe einer Karikierung. Bürstenschnitt und Eselsohren sind bei El Grecos Porträt nicht zu sehen, aber bei Picasso. Auch der Historienmaler des Klassizismus, Ingres, hatte es Picasso angetan, vor allem dessen Familienporträts, die Picasso humorig überzeichnete. Dabei verzichtete Pablo Picasso auch nicht auf eine gewisse theatralische Inszenierung. Fazit: eine gelungene Schau zum Thema, bei dem die Schätze des Hauses sehr gut herausgestellt wurden. © ferdinand dupuis-panther

Ausstellungen
Im Fokus – Picasso im Fotoporträt
bis 21. Mai 2017

Ob bei der künstlerischen Arbeit im Atelier, in der Stierkampfarena oder bei den Filmfestspielen von Cannes – Pablo Picasso ist einer der am häufigsten fotografierten Künstler des 20. Jahrhunderts. Fotografen wie Arnold Newman, Robert Doisneau, Irving Penn, Lee Miller, Robert Capa, Lucien Clergue oder David Douglas Duncan hielten den Spanier auf Fotos fest, die zu Ikonen der Porträtfotografie des 20. Jahrhunderts wurden. Die Ausstellung vereint die Highlights aus den fotografischen Beständen des Picasso-Museums.

Von Christo bis Kiefer – Die Collection Lambert, Avignon
2. Juni - 1. Oktober 2017

Yvon Lambert hat als langjähriger Pariser Galerist vieler international bedeutsamer Künstler eine gigantische Kollektion zeitgenössischer Kunst zusammengetragen. Die Ausstellung zeigt diese Sammlung mit Werken von Jean-Michel Basquiat, Miquel Barcelo, Christo, Anselm Kiefer, Gordon Matta-Clark, Sol LeWitt, Cy Twombly, Richard Long und Bruce Nauman erstmals in Deutschland. Die Präsentation schlägt auch eine Brücke zu vielen Künstlern, die an den SkulpturProjekten der vergangenen Jahrzehnte teilgenommen haben.

Picasso und das Mittelmeer
2. Juni - 1. Oktober 2017

Der Mittelmeerraum war prägend für das Leben und Werk Picassos. Geboren im andalusischen Málaga, feierte Picasso erste künstlerische Erfolge in der katalanischen Hafenstadt Barcelona und erschuf sich schließlich sein persönliches Künstlerparadies an der südfranzösischen Mittelmeerküste. So spiegeln sich in Picassos Schaffen die unterschiedlichen Mentalitäten, Erzählungen und Einflüsse des europäischen Mittelmeerraumes, der als kultureller Schmelztiegel im Werk des Ausnahmekünstlers erfahrbar wird.

Die Impressionisten in der Normandie
14. Oktober 2017 - 21. Januar 2018

Die Ausstellung lädt zu einem künstlerischen Spaziergang an die Strände, Dörfer und Küstenstädte der Normandie ein, die im späten 19. Jahrhundert eine der Wiege des Impressionismus war. Sie beleuchtet die Ursprünge des Impressionismus und stellt sie in einen Dialog mit Werken von Claude Monet, Auguste Rodin und anderen Hauptakteuren des Impressionismus, die ihre Staffeleien unter freiem Himmel an den Stränden der Normandie aufstellten. Elegante Badegäste und windschnittige Segelschiffe regten auch die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts zu kühnen Farbexperimenten an.

Picassos Natur
14. Oktober 2017 - 21. Januar 2018

Picassos Bildwelten sind "tierisch" bevölkert: Eulen, Pferde, Tauben, Katzen, Hunde, Affen, Fische, Kröten und nicht zuletzt Stiere sind in seiner Kunst zuhause. Im Rahmen dieser außergewöhnlichen Ausstellung treten einige der schönsten Exponate der Zoologischen Sammlungen des LWL-Museums für Naturkunde Münster in einen spannenden Dialog mit den Werken des Picasso-Museums und ermöglichen den Besuchern intime Einblicke in Picassos "Natur".

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Picassoplatz 1
48143 Münster
Tel. 0251 / 41 44 710
info@picassomuseum.de
www.kunstmuseum-picasso-muenster.de
Ö: Montag bis Sonntag und Feiertage: 10-18 Uhr Freitag 10-20 Uhr
Geöffnete Feiertage:
1. Mai, Himmelfahrt, Ostern, Pfingstmontag, 3. Oktober, Allerheiligen und 26. Dezember geöffnet
Neujahr ab 13 Uhr geöffnet

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