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Die Seele eines Landes offenbart sich in der Musik

Musik aus aller Welt

Winfried Dulisch präsentiert

Orgelmusik in Ostfriesland


Weitere Hör- und Reisetipps für Musikfreunde sind zu finden unter

Musik aus aller Welt.

 

Ostfriesland wird von den Tourismus-Managern als die schönste deutsche Halbinsel vermarktet. Oder als die Heimat der Ostfriesentee-Kultur. Oder einfach nur als familienfreundliche Radwander-Destination, deren höchste Erhebung eine 24,5 Meter hohe Düne auf der Insel Spiekeroog (1) ist.

Der Organist und Cembalist Winfried Dahlke betrachtet die Region zwischen Ems-Mündung und Jadebusen aus einer anderen Perspektive. Als Landeskirchenmusikdirektor (LKMD) der Evangelisch-reformierten Kirche betreut er in ganz Niedersachsen ungefähr 400 Orgeln aus sieben Jahrhunderten. „Die Hälfte davon steht unter Denkmalschutz. Mehr als 100 dieser historischen Instrumente befinden sich in Ostfriesland.“

Neben seiner Tätigkeit als LKMD ist Winfried Dahlke der künstlerische Leiter im Organeum. Diese „Ostfriesische Orgelakademie“ betreut eine Sammlung alter Tasteninstrumente und ist zu Hause in einer großbürgerlichen Stadtvilla. Keine Minute entfernt liegt der Alte Hafen der ostfriesischen Kleinstadt Weener (2).

„Das Organeum ist keineswegs nur eine Schatzkammer für Orgelmusik-Experten. Inzwischen hat sich unser Haus auch zu einem Geheimtipp für Hifi-Genießer entwickelt“, kann Winfried Dahlke bestätigen. „Eine Orgel ist nicht mit einer Lautsprecher-Anlage zu vergleichen. Jede einzelne Orgelpfeife ist eine eigenständige Schallquelle. Damit bietet eine Orgel weitaus mehr als nur Stereo-Effekte, sie übertrifft sogar jede Surround-Anlage.“

Vom Organeum sind es nur wenige Schritte zur St.-Georgs-Kirche. Darin befindet sich eine der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Ostfrieslands – ein Instrument aus der Werkstatt des legendären Orgelbauers Arp Schnitger (1648-1710). „Von seinen Meisterwerken sind noch 30 Exemplare erhalten geblieben.“

Winfried Dahlke würdigt auch die Arbeit des Restaurators. „Jürgen Ahrend hat diese Orgel von 1978 bis 1983 restauriert.“ Der Orgelbauer arbeitete nicht nur in Europa, sondern auch in USA und Japan. Seine Werkstatt in Leer (3) ist über die Grenzen von Ostfriesland hinaus bekannt. Und viele Musikliebhaber aus aller Welt schätzen die ostfriesische Orgelkultur-Landschaft ähnlich hoch ein wie die Naturfreunde das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer.

„Ohne Jürgen Ahrend wären hier viele Orgeln in die falschen Hände geraten und kaputt restauriert worden“, erinnert sich Winfried Dahlke. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige Instrumente von gut meinenden Restauratoren schlimmer misshandelt als von den Kirchenschändern während der Revolutionen im 19. Jahrhundert.“

Aktueller Sound

Der Klang vieler Instrumente wurde – meistens immer dann, wenn mal wieder Geld im Überfluss vorhanden zu sein schien – dem jeweils aktuellen Sound einer Kulturepoche angepasst. Damit erging es den Orgeln wie vielen Fachwerkhäusern, die in den 1950ern als Opfer des Wirtschaftswunders mit Klinkersteinen verschandelt wurden.

Der Alte Hafen von Weener

Durch Landwirtschaft und Fischerei waren die Ostfriesen zu Reichtum gekommen. Außerdem blieben der Region – anders als dem übrigen Europa – während des Dreißigjährigen Krieges die schlimmen Verwüstungen erspart. Im 17. Jahrhundert wollten die ostfriesischen Bauern und Bürger ähnlich wie ihre Nachbarn in Hamburg und anderen Hansestädten ihren Reichtum mit kostbaren Orgeln dokumentieren.

Klang-Gedächtnis

„Zum Glück erkannten die Ostfriesen sehr früh, welche Schätze ihnen die Orgelbaumeister vergangener Jahrhunderte hinterlassen haben. Wir bewahren heute das Klang-Gedächtnis von Generationen“, beschreibt Winfried Dahlke seine Tätigkeit. Zusätzlich weckte in den 1960ern ein Revival der barocken und der noch älteren Musik das heutige Interesse für die Orgeln der damaligen Epochen.

Bürgerliches Hausmusik-Instrumet aus dem 19. Jahrhundert


„Neulich besuchten russische Musikstudenten unser Organeum“, erinnert sich Winfried Dahlke. „Sie studieren die Orgel nicht als Begleitinstrument von liturgischen Handlungen, sie wollen professionelle Virtuosen werden. Auch in Japan und Korea hat die Organisten-Ausbildung ein ähnliches Ziel. In Deutschland lassen sich die meisten Organisten immer noch zu Begleitermusikern für liturgische Handlungen ausbilden.“

Der indische Sitar-Virtuose Ravi Shankar hatte immer betont, wie demütig er sich seinem Instrument näherte. „So ähnlich muss auch ein Organist die Persönlichkeit und Einmaligkeit seines Arbeitsgeräts erkennen und achten“, fordert Winfried Dahlke.

Für den LMKD ist „eine Orgel kein Werkzeug für Tasten-Dompteure“. Im Gegensatz zum Klavier ist sie kein treuer Hund, der alles erledigt, was sein Herrchen verlangt. Die Konzertveranstalter müssen den Pianisten überall auf der Welt zusichern, einen Flügel von einer bestimmten Marke spielen zu dürfen. „Bei Orgeln kennen wir aber keine Bösendorfer- oder Steinway-Klangnormen. Jede Orgel ist wie eine Katze mit eigenem Willen.“

Veranstalter von Orgelkonzerten machen trotzdem die Erfahrung, dass Organisten sich oft überhaupt keine Zeit mehr nehmen, um ein ihnen unbekanntes Instrument kennen zu lernen. Sie kommen eine Stunde vor ihrem Konzert an, setzen sich an den Orgeltisch, kurze Probe – das muss genügen.

Kein Ostfriesenwitz

Dabei sind Ostfriesland und die dazugehörenden Inseln bestens geeignet für eine Entschleunigung. Telefonisch oder per eMail nennt die Ostfriesland Tourismus GmbH sogar gastronomische Betriebe, in denen der der Gast ohne störende Hintergrundmusik essen und trinken kann – von der kuscheligen Teestube bis hin zum Gourmet-Fischrestaurant. Diese „Beschallungsfreie Liste“ wird ständig aktualisiert und ist garantiert kein Ostfriesenwitz.



Allgemeine Tourismus-Informationen


Ostfriesland Tourismus GmbH
www.ostfriesland.de

Für Orgelmusik-Freunde

Führungen durch die Instrumenten-Sammlung des Organeum oder eine Orgel-Vorführung in der Georgskirche können vereinbart werden mit dem Organeum.

www.organeum-orgelakademie.de

Buchtipp: Orgellandschaft Ostfriesland

CDs: Die Ahrend-Orgel in Leer

Arp-Schnitger Orgel Norden

Text & Fotos: Winfried Dulisch

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