Buchbespechung

Ein Industrieller schafft sich sein Gartenreich – der Park der Villa Hügel

Der Park der Villa Hügel

Ja, es gibt sie die grünen Lungen in Essen, nicht nur dank des Gruga-Parks, sondern auch des Parks der Villa Hügel. Nicht etwa ein bekannter Landschaftsarchitekt und -gärtner hat diesen Park im Süden Essens konzipiert, sondern der eigenwillige Industrielle Alfred Krupp. Es griff zum Bleistift und entwarf nicht nur seine Villa, sondern plante auch die Gartenanlage mit Teich und Terrassen. Nach Erwerb des Geländes im Jahr 1864 stand für Krupp fest, dass neben Stallungen, einer Reitbahn, einer Villa, Fischteichen und Kaskaden auch eine üppig gestaltete Parkanlage entstehen sollte. Willige unbekannte Baumeister und Gärtner hatten die skizzenhaften Pläne Krupps umzusetzen, was in der Zeit bis 1869 geschah. Wie die Gartenanlage ausschaute, als 1873 die Villa bezogen wurde, zeigt eine handkolorierte Zeichnung von Ferdinand Barchewitz, die Eingang in die vorliegende Veröffentlichung gefunden hat. Von exotischen Gehölzen hielt Krupp nichts. Zu seinen bevorzugten Bäumen zählten Buchen, Eichen, Platanen und Linden, also heimische Gehölze. Doch auch ein Bachlauf und eine Rhododendron-Schlucht machen die ursprüngliche Gartengestaltung aus. Im Weiteren befasst sich die Autorin mit der Gestaltung des Parks zwischen 1888 und 1945. Das Credo lautete: Zwischen Opulenz und Sparsamkeit. Terrassenbeete und -garten sind nach wie vor ein Herzstück der Anlage. Doch Friedrich Krupp ist außerdem der Auftrag für Skulpturen zu verdanken, die an den Wegrändern platziert wurden. Unter seiner „Regie“ wurden exotische Pflanzen wie Bananenstauden, Agaven und Palmen im Garten gepflanzt. Das entsprach durchaus dem damaligen Zeitgeist. Weitere Nachkommen wie Bertha Krupp von Bohlen-Halbach setzen die exotische Gestaltung des Gartens fort.

1945 wurden die Villa und der Park durch die Alliierten beschlagnahmt. In die Villa zog die Kontrollkommission für die Bergwerke in Deutschland ein und verblieb dort sieben Jahre lang. Öffentlich zugänglich wurden Villa und Park im Jahr 1953, als eine Ausstellung 400000 Besucher anlockte, so schreibt die Autorin in dem Kapitel, das die Zeit von 1953 bis 1967 umfasst. Auch die heutige Gestaltung mit einer solitären Atlaszeder und gelben sowie violetten Rhododendren wird im vorliegenden Buch beleuchtet. Zu finden ist die Buchenallee an der Westseite der Villa. Verschwunden sind hingegen der Bachlauf und der sogenannte Nymphenteich.

Zu den behandelten Kapiteln der Geschichte der Villa Hügel gehören Abhandlungen zum „Unteren Terrassengarten“ ebenso wie zum „Hügelpark als Mustergut“. Dass man einst Passierscheine und Erlaubniskarten benötigte, um durch einen der einst vier bestehenden Eingänge das Parkgelände zu betreten, ist auch Teil der bewegten Geschichte des Kruppschen Besitzes. Wer auf eigene Faust einen Parkrundgang unternehmen will, findet in der aktuellen Veröffentlichung hilfreiche Hinweise und Abbildungen von Gehölzen, die den Reiz des Parks ausmachen, ob nun eine Blut-Buche, eine Japanische Sicheltanne, eine Hänge-Buche, Mammutbäume oder Magnolien. Unterwegs stößt der Besucher zudem auf einige Denkmäler wie das für Alfred Krupp und das Denkmal der Arbeit, die gleichfalls für die Gestaltung der Parkanlage essentiell sind.

© text ferdinand dupuis-panther

 

Christa Hesselhorst: Der Park der Villa Hügel, Deutscher Kunstverlag, ISBN 978-3-422-02184-6, Preis 9,80 €

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

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