Bad Sassendorf

Auf den Salzspuren durch die Stadt

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

 

Bad Sassendorf: Im Rosengarten (Kurpark)

Was haben Unna, Werl, Soest, Bad Sassendorf, Bad Westernkotten und Salzkotten gemeinsam? Diese Städte liegen alle an der Westfälischen Salzroute, die man bequem mit dem Rad erkunden kann. Nicht von Anfang an waren die genannten Orte für ihre Sole- und Moorbäder bekannt wie Bad Westernkotten, sondern für das Sieden von Salz und den Salzhandel. Bereits im 6. Jahrhundert gab es in Soest Salinen und auch in Bad Sassendorf gewann man aus dem salzigen Quellwasser der Sole Salz, wenn auch nicht gar so lange wie in Soest. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte sich Bad Sassendorf dann zu einem reinen Sole- und Moorheilbad, allerdings mit einer nicht gar so mondänen Bäderarchitektur wie in Bad Oeynhausen. Wer Bad Sassendorf erkunden will, der achte auf das weiße Salzkristall, hier und da im Fußweg eingelassen, und mache sich dann auf dem Weg!

Bad Sassendorf Kirche St. Bonifatius

Kirche St. Bonifatius

Vom Bahnhof aus folgen wir einem Fußweg entlang der Bahntrasse nach Paderborn. Während wir unterwegs sind, sehen wir rechts von uns die weiß geschlämmte St. Bonifatius-Kirche mit dem charakteristischen rotbraunen Turmaufsatz, dessen Spitze ab und an die tief liegenden Wolken zu berühren scheint. Schließlich stehen wir am Rande des Kurparks vor der Börde-Therme. Wie wäre es mit einem Gang in die Siedehütte zum Saunieren bei bis 95 Grad Celsius? Oder soll es doch lieber das Eintauchen in das Sole-Außenbecken sein, in dem unablässig die Sole aus einem Strudel plätschert? 33 Grad warm ist das Wasser, wer braucht da schon das Mittelmeer.

Bad Sassendorf Badevergnügen in der Börde-Therme

Badevergnügen in der Börde-Therme

Auch ein Sole-Schwebebecken lädt zum Genießen und Entspannen ein. Also doch ein schwereloses Badeerlebnis beim Besuch einplanen? Mit der Sole des benachbarten Gradierwerks wird das Becken gespeist, in dem ein Salzgehalt von 15% vorhanden ist. Es muss ja nicht das Tote Meer sein, wenn Bad Sassendorf ein ähnliches Erlebnis bietet, oder? Vor der Therme sprudelt der Salzkristall-Brunnen inmitten eines attraktiv gestalteten Staudenbeets. Zu verdanken ist der Brunnen dem Bildhauer Leo Janischowsky.

Bad Sassendorf Salzkristallbrunnen vor der Börde-Therme

Salzkristallbrunnen vor der Börde-Therme

Gradierwerk und Volieren im Kurpark

Wir betreten anschließend den Kurpark und bewegen uns mit raschem Schritt zum Gradierwerk, Teil einer nachhaltigen aktuellen Umgestaltung der Kurparkanlage und jüngeren Datums. Das Gradierwerk weist drei Ebenen auf und misst eine Länge von 72 Metern. In dem Gerüst des Werks sind Schwarzdornbündel verarbeitet worden, über die die geförderte Sole fein verteilt verrieselt. Viele schwören auf die heilende Wirkung der Mineralstoffe, die im Umfeld des Gradierwerks in der Luft angereichert werden. Dies ist nur dank der Verdunstung der versprühten Sole möglich.

Bad Sassendorf Neues Gradierwerk im Kurpark

Neues Gradierwerk im Kurpark

Im Umfeld des Gradierwerks finden Besucher erste Kunstobjekte, die in der gesamten Parkanlage zu entdecken sind. „Geschwisterliebe“ heißt eines der Kunstwerke und zeigt ein Bruder-Schwester-Paar, das sich um einen aus dem Nest gefallenen Jungvogel kümmert. Nur wenige Schritte davon entfernt, treffen wir auf ein Mädchen mit breitkrempigem Hut, das in ein großes Badetuch gehüllt ist. Modell für die lebensgroße Figur stand die halbwüchsige Tochter des ausführenden Künstlers Wolfgang Kreutter.

Bad Sassendorf MÄDCHEN RÜHR MICH NICHT AN (KUNST IM KURPARK

Kunstobjekt im Kurpark

Hinter der Therme tschilpt und piept es. Kein Wunder befinden sich hier doch Vogelvolieren, in denen unter anderem ein Gelbbrust-Ara, ein Gelbschopfkakadu, graue Nymphen- und rote Pennantsittiche, Wellensittich mit gelbem und hellblauem Federkleid und ein Graukopfpapagei zu sehen sind. Infotexte erläutern Merkmale, Stimmen und Vorkommen der gezeigten Vogelarten. Nicht nur weiße Parkbänke laden zum Verweilen an, sondern auch steinerne Umrandungen an verschiedenen Staudenbeeten, die in Zartgrün, Rot und Gelb schimmern. Wer schleicht denn da unweit der Stauden im Park umher? Es sind zwei Stubentiger aus Bronze, die sich als sehr geschmeidig erweisen und von Hans Gerd Ruwe gestaltet wurden.

Bad Sassendorf Kunst im Kurpark: Wer schleicht denn da?

Kunst im Kurpark: Wer schleicht denn da?

Das Brunnen- und das Kleine Tee- und Caféhaus

Als Nächstes fällt dem Kurparkbesucher das Brunnenhaus auf, ein stark umgestalteter Fachwerkbau, der einst 1938 errichtet wurde. Die Zeit, als hier Trinkkuren möglich waren, um den Körper zu entgiften, ist längst vergangen. Heute genießen zahlreiche Gäste nicht nur das reiche Angebot von Pfannkuchen, ob mit oder ohne Spinat und Käse oder mit getrockneten Tomaten und Camenbert belegt, sowie die leckeren Torten. Auch eine Ferienwohnung wird heute im Brunnenhaus vermietet.

Bad Sassendorf: Stranderlebnis an der Rosenau (Kurpark)

Stranderlebnis an der Rosenau

Am Ufer der renaturierten Rosenau gedeihen Hortensien in Hülle und Fülle. An der Rosenau hat man sogar einen kleinen Sandstrand aufgeschüttet und Strandkörbe platziert. Wem der Sinn nach einem Nachmittagstee steht, der kann im Kleinen Tee- und Caféhaus einkehren, gleichfalls ein Fachwerkbau mit Außenterrasse. Wie wäre es mit „Sassendorfer Holunderchen“, Holunderlikör mit Früchtetee, Kandis und Sahne? Und dazu ein frischer Hefezopf mit Butter und hausgemachter Marmelade vielleicht? Wer es deftiger mag, wählt hingegen einen Westfälischen Mettwurstteller, oder?

Bad Sassendorf: Café- und Teehaus im Kurpark

Café- und Teehaus im Kurpark

Adventure Golf und Rosengarten

Für Spaß- und Spiel ist auf der Adventure-Golf-Anlage gesorgt. Nein, ein professioneller 9-Loch-Golfkurs wurde nicht in den Kurpark integriert, aber ein Minigolfkurs mit 18 Löchern und ohne die sonst so typischen Bahnen für derartige Anlagen. Beim weiteren Spaziergang entdecken wir noch mehr Kunst im Kurpark, so den sogenannten Hühnerbaum, auf dem ganz oben der stolze, lautstark krähende Hahn thront. Hans Gerd Ruwe, der auch die beiden bronzenen Stubentiger für den Kurpark geschaffen hat, hat sich wohl von Wilhelm Buschs Witwe Bolte zu seinen Hühnern inspirieren lassen.

Bad Sassendorf Kunst im Kurpark: HÜHNERBAUM

Hühnerbaum

Nächste Besuchsstation ist der an einem Hang oberhalb des Kurparkteichs liegende Rosengarten, in dem nicht nur rote, sondern auch rosa und gelbe Rosen blühen. Am unterhalb des Rosengartens befindlichen Kurparkteichs haben sich Nilgänse mit auffälliger rostroter und graubrauner Gefiederzeichnung, weiße Hausgänse und auch ein Paar Schwarzer Schwäne angesiedelt. Unterwegs machen wir noch kurz halt an einer „Gesundheitsstation“: Ein Radtrainer lädt zur Stärkung von Bein- und Rückenmuskulatur ein. Zudem kann man einen Barfußpfad ausprobieren, der allerdings auch für die Rehabilitation von Kurgästen geeignet ist, die nach Knie- und Hüftoperationen wieder das sichere Gehen üben müssen.

Bad Sassendorf: Eine Nilgans am Kurparkteich

Eine Nilgans am Kurparkteich

Ruhig schlängelt sich die Rosenau durch die Parklandschaft. Und wer ist die sinnende junge Frau, die am Ufer des Rinnsals zu sehen ist? Anspielung auf die Geschichte vom Fischer und seiner Frau ist die Skulptur eines alten bärtigen Mannes mit Fisch, der auf einem Felsstein am Ufer des Kurparkteiches sitzt und Zwiesprache mit dem Fisch in seiner Hand zu halten scheint. Wenige Schritte davon entfernt stoßen wir auf eine bronzene Flötenspielerin, die sich ganz und gar ihrer Musik hingibt.

Bad Sassendorf: Kunst im Kurpark - ALTER MANN MIT FISCH

Kunst im Kurpark: alter Mann mit Fisch

 

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