Drei G mal anders

Göttingen ganz genüsslich

Text und Fotos: Karsten-Thilo Raab

 

Japanische-peruanische Fusin-Küche im Intuu

Göttingen ist für seine Fachwerk dominierte Altstadt und die Universität bekannt. Doch in der Studentenstadt in Südniedersachsen kommen auch Genießer und Feinschmecker voll auf ihre Kosten.

Fachwerkcharme in der Göttinger Altstadt

Fachwerkcharme in der Göttinger Altstadt

Kein geringerer als der spätere Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck gilt als einer der wohl berühmtesten Vorboten der Göttinger Genussmomente. Der umstrittene Staatsmann wurde wegen „stetem Unfleiß“ während seiner Studentenzeit in Göttingen mehrfach in den „Karzer“ gesperrt. Dem Vernehmen nach hatte er zu viel und zu oft den schönen Dingen des Lebens gefrönt. Besondere Genussmomente prägten wohl statt des gewünschten Wissensdursts seinen Studentenalltag.

Einige werden nicht müde zu betonen, der nicht unumstrittene Otto Fürst von Bismarck sei trotzdem die Karriereleiter hochgepurzelt. Und doch sind es andere Namen, die eher mit der niedersächsischen Universitätsstadt in Verbindung gebracht werden. Dazu zählen bis heute nicht weniger als 46 Nobelpreisträger. Wobei die Göttinger Rechnung sehr wohlwollend aufgestellt ist. So wird Blechtrommel-Autor Günter Grass diesem erlauchten Kreis zugeordnet, obwohl er nie an der berühmten Georg-August-Universität eingeschrieben war oder in der Stadt lebte. Die einzige Verbindung des Literaturnobelpreis-Trägers zu Göttingen ist die Tatsache, dass der Steidl Verlag, mit dem er zusammenarbeitete, hier seinen Sitz hat.

Georg-August-Universität in Göttingen

Georg-August-Universität

Dafür wirkten etwa Deutschlands wohl berühmteste „Märchen-Onkel“ in der heutigen 135.000-Seelen-Gemeinde. Die Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm arbeiteten von 1829 bis 1837 als Bibliothekare und Professoren an der Georg-August-Universität und publizierten in jener Zeit zwei Bände zur „Deutschen Grammatik“, den „Reinhart (Reineke) Fuchs“, die „Deutsche Mythologie“ sowie die „Kinder- und Hausmärchen“. Stummes Zeugnis ihrer Göttinger Zeit ist die Gedenktafel in der Goetheallee Nummer 6, wo einst ihr Wohnhaus stand. Auch die Paulinerkirche mit dem eindrucksvollen historischen Bibliothekssaal weckt Erinnerungen an die Arbeitsstätte der Brüder Grimm. Und die Universitätsaula am Wilhelmsplatz beherbergt eine Büste von Jacob Grimm.

Ob die Grimms wie dereinst Bismarck freudetrunken um die Häuser der Innenstadt zogen, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass der eine oder andere der gut 34.000 Studierenden heutzutage gerne mal in den Kneipen und Restaurants der Altstadt Zerstreuung und besondere Genussmomente sucht. Allerdings in der Regel ohne - wie Bismarck - die eine oder andere Nacht hinter Gittern verbringen zu müssen.

Japanische-peruanische Fusin-Küche im Intuu

Japanische-peruanische Fusin-Küche im Intuu

In der von Fachwerk dominierten Studentenstadt in Südniedersachsen gehört beispielsweise das Restaurant im Freigeist Hotel zu den offenen Geheimtipps. Denn im „Intuu“ wird eine ebenso ungewöhnliche wie faszinierende und schmackhafte Mischung aus spanischer und peruanische Küche serviert.

Vertikalgarten im Herbarium in Göttingen

Vertikalgarten im Herbarium

Einen nicht minder großen Genuss verspricht die Bar des Freigeist, die den schönen Namen „Herbarium“ trägt. Hier werden ganz besondere Cocktails serviert, die alles andere als 08/15 sind und auf die persönlichen Geschmacksvorlieben abgestimmt sind. Die Kräuter für die individuellen Mischgetränke wachsen zum Großteil im Vertikalgarten hinter dem Tresen – der Rest gedeiht im Botanischen Garten der Stadt Göttingen, mit dem eine enge Kooperation besteht.

Bierprobe im Göttinger Bullerjahn

Bierprobe im Göttinger Bullerjahn

Hochgeistige Getränke sind auch im Bullerjahn im Untergeschoss des Historischen Rathauses im Ausschank. Lokaler ist da schon die empfehlenswerte Bierprobe mit verschieden Bieren aus Göttingen und der nahegelegenen Bockbier-Heimat Einbeck. Passend dazu kommen vorwiegend deftige regionale Speisen auf den Tisch des Hauses.

Die Göttinger Gänseliesel vor dem Historischen Rathaus

Die Göttinger Gänseliesel vor dem Historischen Rathaus

Nach dem einen oder anderen Gläschen kommt auch so mancher Gast schon mal auf den Gedanken, den frisch examinierten Doktoranden der altehrwürdigen Göttinger Universität nachzueifern. Nicht in punkto Lehre und Wissen, sondern mit Blick auf eine seit vielen vielen Jahrzehnten gepflegte Tradition. Denn die erfolgreiche Absolventen ziehen bis heute fröhlich durch die Stadt, erklimmen am Marktplatz vor dem Historischen Rathaus den Brunnen, stecken der Brunnenfigur, dem Gänseliesel, einen Blumenstrauß in den Baldachin und geben ihr einen Kuss auf die Wange. Ein Brauch, der die bronzene Figur über die Jahre zum wohl „meist geküssten Mädchen“ der Welt hat werden lassen.

 

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