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Oslo Astrup Fearnley Museet / Munchmuseum / Nationalmuseum / Vigeland-Museum

 

Norwegen
Oslo

Astrup Fearnley Museet

Sammlung
bis 31.12.2022


Sammlung des Astrup Fearnley Museet

Die Sammlung konzentriert sich nicht auf bestimmte Künstler, Stilformen oder Stilrichtungen, sondern will den Blick auf ein breites künstlerisches Spektrum richten. Dabei zeigt man hier und da auch "Werkgruppen", um das Schaffen eines Künstlers in der Breite zu präsentieren. Dialog und Konfrontation ist das Prinzip der Präsentation. Dabei werden bekanntere Werke mit Neuankäufen in Bezug gesetzt. Thematisch ist das nicht strukturiert, sondern lebt von der unmittelbaren Konfrontation der jeweiligen Arbeiten miteinander. Dabei liegt der Fokus auf der Kunst der Gegenwart!

 

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Installation der Sammlungspräsentation Foto Christian Øen

Vorab: Die Kunst, die aktuell präsentiert wird, ist provokativ, ist nicht in den Mainstream einzusortieren, ist dokumentarisch, stellt Fragen, lässt Besucher mit ihren Fragen alleine, hat nichts mit l’Art pour l’Art zu tun. Die Provokation beginnt schon zu Beginn des Besuchs mit Damien Hirst und seinem Werk „Mother and Child“. Wer bei dem Titel des Werks an Maria und Jesus oder an eine Pietà denkt, liegt nicht ganz falsch. Allerdings sieht man bei Hirst eine in Formaldehyd eingelegte Kuh und ihr Kalb, die beide in zwei Hälften gespalten wurden und in einer Art Glassarg zu sehen sind. Zudem sehen wir „God alone knows“, ein Werk, das an eine Kreuzigungsgruppe anknüpft. Allerdings sind die Gehängten keine Menschen, nicht der am Kreuz hängende Jesus und zwei Räuber neben ihm, sondern drei aufgeschlitzte Schafleiber, die in Formaldehyd konserviert wurden. Die gesamte Gruppe steht auf einem Sockel aus Carrara-Marmor, so wie dies auch bei Kreuzigungsgruppen in Kirchen der Fall ist, wenn diese nicht selbst aus Alabaster oder Marmor gefertigt sind.

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Arbeiten von Damien Hirst und Nan Goldin Astrup Fearnley Sammlung, 2021. Photo Christian Øen

Kunst der Gegenwart ist aber auch nicht frei von Ironisierungen, wie uns Robert Gober mit „Drain“ zeigt. Da ist wirklich ein Ausgusstrichter direkt in die Ausstellungswand gesetzt worden. Das ist eine Form von Ready Made, die an Duchamps nahtlos anknüpft.

Das Schicksal und die letzten Tage eines schwulen Paares, von dem einer an AIDS erkrankt ist und schließlich verstirbt, hat Nan Goldin in einer Fotoserie festgehalten. Das Paar präsentiert sich vor der Kamera durchaus mit narzisstischen Attitüden, stellt ihre wohlgeformten, athletischen Körper zur Schau. Doch AIDS lässt „Körper welken“ und bringt schließlich den Tod. Und der ist dann nicht mehr von athletischer Ästhetik geprägt, sondern von körperlichem Zerfall. Sehr eindrucksvoll ist die Fotografie, die den Abschied des überlebenden Partners von seinem verstorbenen Lover zeigt. Nahezu monströs erscheint das Bildformat, das Tom Sandberg wählte, um sich und seine Tochter zu fotografieren. Allerdings sehen wir beide nicht als klassisch Porträtierte, sondern angeschnitten und die Tochter nackt auf der Brust Sandbergs liegend und dem Betrachter den Rücken zuwendend. So ist das Foto auch Ausdruck der Anonymisierung einer intimen Situation. Fotoarbeiten präsentiert uns auch Vibeke Tandberg, die sich selbst in Szene gesetzt hat und sich zugleich auch verdoppelt hat. So entsteht der Eindruck von Gemeinsamkeiten zwischen zwei identisch aussehenden Personen, ein Leben zu Zweit, das ja in Wirklichkeit nur das Leben alleine ist. Man sieht die Fotografin beim TV-Schauen, im Bademantel oder schlafend, aber nie als Einzelperson. Und was soll uns das sagen?

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Ansicht u. a. von einer Arbeit von Matias Faldbakken
Astrup Fearnley Sammlung, 2021. Photo Christian Øen

Zu sehen ist zudem Frida Orupabo mit ihren Collagen. Es ist eine norwegisch-nigerianische Künstlerin, die sich mit der Ausbeutung und Sexualisierung schwarzer Körper und der kolonialen Sichtweise auseinandersetzt. Das Arbeiten mit Farben und Oberflächenstrukturen ist kennzeichnend für Tauba Auerbach. Sie arbeitet mit Airbrush auf Leinwand, schafft beinahe Monocromes und lässt die Oberfläche wie zusammengefaltetes Papier erscheinen, das wieder ausgestrichen wurde. Mit erigiertem Riesenpenis und als Jäger wird Marquis de Sade durch Paul Chan dargestellt. Unweit davon treffen wir auf eine „Skulptur“ aus Metallspinden, die zusammengebunden und verformt wurden. Zu verdanken ist diese großformatige Arbeit Matias Faldbakken.

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Ansicht von Ether und o.T. (Novels", zwei Arbeiten von Rachel Whiteread

Astrup Fearnley Sammlung, 2021. Photo Christian Øen

In die Welt des Surrealen taucht Helen Marten ab. Sie malte „Part offering (hit the mahogany) im Jahr 2014. Zu sehen ist eine Katze, die in der Luft schwebt, derweil sich ein Teil ihres Schwanzes auf einem gekappten Baumstamm befindet. Entgegen der Schwerkraft balanciert die Katze auf ihrem eigenen Schwanz bzw. steht auf diesem. Und welche Bedeutung hat der Basketballkorb, den wir im Hintergrund ausmachen können? „Strangers in the Village“ von James Baldwin ist die Grundlage für das „Diptyk“ von Glenn Ligon. Auszüge hat er gleichsam mit einem Druckstock in Schwarz und Weiß auf Leinwand veröffentlicht. Allerdings sind die Zeilen aus Baldwins Werk nicht zu dechiffrieren, da sie über und über in Farbe getränkt sind.

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Arbeit von Glenn Ligon
Astrup Fearnley Sammlung, 2021. Photo Christian Øen

Lädt Mona Hatoum mit ihrer Chaiselongue wirklich zum gemütlichen Verweilen ein? Von Weitem meint man ein entsprechendes Möbelstück zu sehen, das sich allerdings beim Nähertreten als sperrig erweist. Die Liegefläche besteht nämlich aus Stahlplatten, die nur ausschauen, als sei es genopptes Leder! Schließlich werfen wir noch einen Blick auf Rachel Whitereads ausgestelltes Werk ohne Titel („Novels“): Ein wenig in Anlehnung an Donald Judds Wandboxen schuf sie ein Bücherbord mit nicht lesbaren Büchern. Die mit Büchereinbänden bestückten Regalbretter sollen wohl Eindruck machen, oder? Und unweit davon steht eine aus mehreren Segmenten zusammengesetzte Wanne aus Gips, in der es kein Wasser gibt. „Ether“ nannte die Künstlerin dieses Opus. Quo vadis? Übrigens das fragt man sich auch bei Jeff Koons Darstellung von Michael Jackson in güldenem Gewand und nun hinter Vitrinenglas ausgestellt.

© ferdinand dupuis-panther

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Zu sehen unter anderem ein Werk von Anselm Kiefer und Jeff Koons
Astrup Fearnley Collection Photo Vegard Kleven

Info
https://www.afmuseet.no/

 

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