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Berlin
Villa Oppenheim
Sammlerstücke - Die Kunstsammlung der Stadt Charlottenburg laufend

Sammlerstücke - Die Kunstsammlung der Stadt Charlottenburg

In der Villa Oppenheim sind die Werke der Kunstsammlung Charlottenburg erstmalig an einem Ort öffentlich ausgestellt. Die Sammlung resultiert vorrangig aus den Ankäufen der Charlottenburger Deputation für Kunstzwecke und der Stiftung der privaten Kunstsammlung Raussendorff. In der Sammlung vertreten sind die Künstler der neugegründeten Berliner Sezession, die ab 1899 in spektakulären Ausstellungen in Charlottenburg erstmals ihre Werke präsentierten, darunter Walter Leistikow, Franz Skarbina und Max Liebermann. Ausgewählte Werke dieser modernen Sezessionisten und ihrer Nachfolger wurden von den gewählten Deputierten der Stadtverordnetenversammlung in den Ateliers und Werkstätten sowie auf den großen Kunstausstellungen für das neue Rathaus angekauft und dort in den repräsentativen Räumen gehängt und aufgestellt.

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Franz Skarbina, Promenade in Karlsbad, 1890–1894, Öl auf Leinwand, 97x146 cm

Nein, nicht in monumentaler Größe, sondern kleinformatig ist der von Constantin Meunier geschaffene Glasbläser, der auf einem eigenen Sockel steht. Das Blasrohr hat er an die Lippen gelegt, um den Glastropfen, der unten am Rohr hängt, mittels Atemluft zu formen. Mit sehr dynamischem, expressivem, wenn nicht gar expressionistisch zu nennenden Farbauftrag malte Walter Klemm die Ansicht einer Flugschau auf einem Flugplatz. Wir schreiben die Zeit um 1915, also zu Beginn des Ersten Weltkriegs, dessen Geschehen ganz fern scheint. Klemm, ein Schüler von Kolomann Moser aus Wien, war Teil der Dachauer Künstlerkolonie und Mitglied im Deutschen Werkbund sowie der Wiener Secession, also ein Avantgardist seiner Zeit. Was er für die Nachwelt festhielt, war eine Momentaufnahme vom Johannisthaler Feld, dem ersten Motorflugplatz für Kunstflüge in Deutschland. Der Flugplatz lag zwischen den Berliner Vororten Adlershof und Johannisthal. Zahlreiche Schaulustige haben sich eingefunden. Die Damen zeigen Gesellschaftstoilette, tragen ausladende weiße Hüte zu den weißen bodenlangen Kleidern. Am wolkenverhangenen Himmel kann man zwei Kunstflieger ausmachen, die wie ferngesteuerte Modellflugzeuge anmuten.

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Constantin Meunier, Glasbläser, vor 1890

Hans Baluschek, Gründungsmitglied der Berliner Secession, schuf 1914 sein Ölgemälde "Zur Grube". Am rechten Bildrand sehen wir eine schwarze Lokomotive, die ihre Scheinwerfer grell-gelb aufblitzen lässt. Schnee liegt auf dem Acker. In Reih und Glied stapfen die Kumpel mit ihren angeschalteten Grubenlampen gen Arbeitsplatz. In der Ferne rauchen Schlote. Der Himmel ist violett und rot durchzogen. Doch der Morgen scheint sich nur anzudeuten. Der Nestor des deutschen Impressionismus Max Liebermann porträtierte den Bürgermeister Ernst Scholz auf dessen Wunsch hin. Dieser hatte das Porträt des Hamburger Ersten Bürgermeisters Carl Friedrich Petersen gesehen, das auch von Liebermann stammt. Liebermann war fortan die erste Wahl für das Porträtieren des Nachfolgers von Bürgermeister Kurt Schustehrus. Markant sind die Gesichtszüge. Eher in die Ferne gleitet der Blick des Porträtierten ab. Ein Eisernes Kreuz schmückt Ernst Scholz. Und was trägt er eigentlich am Revers?

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Eduard Gaertner, Die Berliner Straße in Charlottenburg, 1869

Spitzbergen nicht von Eis und Schnee bedeckt, sondern Grün – das zeigt uns Alfred Helberger in einer seiner Ansichten der norwegischen Insel. Sie ist Teil einer Reihe von Landschaftsgemälden Spitzbergens, die 1913 und 1914 entstanden. Blau-grün und wellig durchzogen ist die Ebene in dem Gemälde, eher ins Auberginefarbene ist die Hügelkette im Hintergrund getaucht. Der Pinselstrich ist flott, sicherlich auch von van Gogh, de Vlaminck und Munch beeinflusst. Nach dem Tod seiner jüdischen Frau Margarete geb. Levi im April 1945 beging Helberger Ende Januar 1946 Selbstmord durch Leuchtgasvergiftung. Er lebte damals in der Bismarckstraße 68 in Berlin-Charlottenburg. Übrigens, ähnlich wie Baluschek erhielt Helberger auch Mal- und Ausstellungsverbot, als die Nationalsozialisten das Sagen hatten. Bullig, ein Muskelpaket – das ist die Bronze eines trabenden Pferdes. Ein stämmiges Kaltblut schuf Adolf Amberg 1912. Dieses Pferd stammt aus dem bekannten Hochzeitszug von Amberg, der für seine Ausdrucksplastiken bekannt war.

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Friedrich Kallmorgen, Berliner Straße mit Rathaus Charlottenburg, 1914

Ungezwungen sind die Jungen, die da im Flachwasser der Havel spielen. Lichtflecken finden sich auf ihren gebeugten Rücken. Wellig ist das Wasser, das der Künstler ebenso mit frischem Pinselstrich auf die Leinwand gebracht hat wie die Kinderschar im Schatten der ufernahen Bäume. Philipp Franck, der Mitbegründer der Berliner Secession war, ist das Gemälde zu verdanken. Dieser war im Übrigen für seine Havellandschaften bekannt. Eine der Ansichten von Charlottenburg, die in der Sammlung zu finden ist, ist Carl Krafft zu verdanken. „Alte Caprivi-Brücke (Das neue Charlottenburg überragt das alte) nannte er das 1905 entstandene Ölgemälde. Flaggen wehen am neuen Rathaus. Sind da nicht auch Ackerbürgerhäuser, die am Wasser stehen zu sehen? Ja, es ist die Spree, die da im Bildvordergrund fließt und auf dem ein Dampfboot tuckert. Im Hintergrund jedoch ragt der 89 Meter hohe Turm des Rathauses empor, der Stolz der Charlottenburger.

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Hans Baluschek, Zur Grube, 1914

Hans Hermann entführt den Besucher der Villa Oppenheim nach Vlissingen und den dortigen Fischmarkt. Fischerboote haben am Kai festgemacht. In geflochtenen Körben wartet die fangfrische Ware auf Käuferinnen, die sich auch zahlreich eingefunden haben. Kurz zuvor muss ein heftiger Regenschauer niedergegangen sein, wie man dem Gemälde entnehmen kann. Von Hugo Lederer stammt der bronzene Bogenschütze. Eine große thematisch gleiche Plastik war einst im Lietzenseepark zu sehen. Diese wurde jedoch eingeschmolzen, um Kriegsmaterial daraus zu schaffen!

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Philipp Franck, Badende Jungen, 1911

Johann Gottlieb Glume malte die bisher älteste bekannte Ansicht der Stadt Charlottenburg. Sie ähnelt einem Bühnenbild. Dominant ist die Schinkelsche Luisenkirche in der Bildmitte. Darüber sieht man einen dramatischen Himmel. In Vordergrund ist eine Baumreihe mit Kugelschnitt auszumachen. Hier und da sind Menschen zu sehen, die eher Staffage sind. Nicht nur Ansichten von Hamburg sind Friedrich Kallmorgen, Professor an der Königlichen Akademie für Schöne Künste, zu verdanken, sondern auch drei Ansichten von Charlottenburg, allesamt als Auftragswerke entstanden. 1914 malte er die Berliner Straße mit dem neuen Rathaus. In jenen Tagen besaß die Straße vor dem Rathaus noch eine Allee mit schattenspendenden Bäumen. Pferdegespanne sind unterwegs, aber auch eine Tram. Hat da nicht ein Mann am Straßenrand seine Schottsche Karre abgestellt? Auch die Ansicht der Hardenbergstraße mit Tramlinie und einer neogotischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche ist ein Stadtporträt, das Kallmorgen zu verdanken ist. Doch wo ist das dritte Gemälde von ihm, das Schloss Charlottenburg?

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Reinhold Begas, Kentaur und Nymphe, 1881

Mit einem kleinformatigen Werk ist Adolf von Menzel in der Schau vertreten: Ein Schaulustiger ist in das Geäst eines Baumes gestiegen, um einen Blick auf das Kronprinzenpaar zu erhaschen. Datiert ist die im Stil der Genremalerei gehaltene Arbeit auf das Jahr 1858. der genaue Titel des in Erdfarben gehaltenen Werks lautet „Erinnerung an den Brauteinzug des Prinzen Wilhelm“. Auch ein Vertreter der Münchener Malschule ist in der sehenswerten Sammlung präsent: Eduard Schleich d.Ä., der „Landschaft mit Bauerngehöft“ malte. Im Vordergrund stehen Kühe im Flachwasser eines Teiches. Rauch steigt aus dem Schornstein des Bauernhauses. Zum Schluss sei noch auf die ausdrucksstarke Bronze „Mutter und Kind“ von Wilhelm Otto hingewiesen. Wenn auch der Großteil der über 400 Kunstwerke der Sammlung aus der Zeit des II. Weltkrieges verschwunden ist, auch durch die „Säuberungen“ im Rahmen der nationalsozialistischen Kampagne „Entartete Kunst“, ist das, was zu sehen ist, unbedingt einen Besuch wert – übrigens bei freiem Eintritt.

© Ferdinand Dupuis-Panther Die Bildrechte liegen bei den Künstlern bzw. den Rechtenachfolgern

Info
https://www.villa-oppenheim-berlin.de


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