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Musik aus aller Welt

Winfried Dulisch
präsentiert CDs, Hörbücher und DVDs


 

Die bisherigen Empfehlungen unseres Musik-Experten Winfried Dulisch finden Sie unter Musik aus aller Welt.

Alle Jahre wieder: Christmas-CDs

Viele Pop- und Jazz-Musiker, sogar einige Klassik- und Folklore-Stars wollten niemals eine Weihnachtsplatte veröffentlichen. Niemals!!! Zum Glück haben 2013 wieder zahlreiche Sänger und Instrumentalisten diesen Schwur gebrochen.

Zum Beispiel der deutsche Tenorsaxophonist Daniel Erdmann, der dänische Gitarrist Hasse Poulsen und der französische Drummer Edward Perraud. Auf Ihrem Album "Ballads & Barricades" hatten die drei Freejazz-Musiker unter dem Bandnamen „Das Kapital“ über sozialistische Kampflieder wie Hanns Eislers "Einheitsfrontlied" improvisiert und dafür den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik kassiert. Was soll danach noch kommen? – Das Trio präsentierte Das Kapital Loves Christmas (NRW Records)! Dieser CD-Titel klingt wie ein bissiger Kommentar zum Vorweihnachtstrubel. Dabei versprühen die drei Musiker einfach nur jede Menge Experimentierfreude. Zwischen New Orleans und Neutöner-Avantgarde werden hier die „Stille Nacht“ und andere X-Mas-Oldies genüsslich durch die Mangel gedreht. Aber Vorsicht! „Das Kapital“ präsentiert auf jedem Track seines Weihnachtsalbums immer wieder neue hundsgemeine Zwischentöne.

 

Wenn der US-Saxophonist Pee Wee Ellis dem The Spirit of Christmas nachspürt, braucht kein Jazz-Fan eine Störung des heiligabendlichen Familienfriedens zu befürchten. Pee Wee Ellis schrieb einst die fetzigen Bläser-Arrangements für den Funky-Soulsänger James Brown. Nun legt er gemeinsam mit deutschen Jazz-Kollegen seinen entspannt klingenden Lounge-Jazz auf den Weihnachts-Plattenteller, der ideal zu einem sanft warm knisterndem Kaminfeuer passt.

Zurückhaltend begleitet von Bass und Klavier meditiert der schwedische Gitarrist Georg Wadenius auf Jul Pa Svenska über weihnachtliches Liedgut seiner Heimat; dieses Repertoire klingt auch für deutsche Ohren angenehm vertraut. – Für seine norwegischen Nachbarn spielte Wadenius mit der gleichen Kammerjazz-Begleitgruppe das Album Jul Pa Norska ein. Die dafür verwendeten Kompositionen sind weitgehend unbekannt in Deutschland, sie wecken deshalb hierzulande nicht sofort weihnachtliche Gefühle. Damit empfiehlt sich die Norwegen-CD auch für die übrige Zeit des Jahres als ideale Musik zum sanften Einschlummern.

2008 hatte Quadro Nuevo zur Weihnacht einige Volksweisen und Schlager noch teilweise recht uninspiriert verjazzt und mit einem Hauch von Tango, Flamenco, Musette-Walzer, Balkan- und Orient-Rhythmen den Weltmusik-Freunden schmackhaft gemacht. 2013 sucht das Quartett mit Saxophon und Klarinette, Akkordeon und Harfe in Bethlehem den wahren Geist der Weihnacht – und findet ihn zum Beispiel in „Shtil die Nakht is oysgesternt“; der polnisch-jüdische Dichter Hirsch Glik schrieb dieses Lied 1942 im Ghetto von Vilnius, bevor er auf der Flucht vor den Nazis umkam. Der Plattenhändler kann dieses Album in die Rubrik „Globale Regionalmusik“ oder „folklore imaginaire“ einsortieren und darf es dort mindestens bis zur Karwoche anbieten.

In einem weitaus rüderen Tonfall kommen die Weihnachtsgrüße von Bad Religion. Diese Punk-Band aus Los Angeles schneidet sich mit schnoddrig rausgeschnauzten Christmas Songs ebenfalls ein Stück vom Weihnachtskuchen ab. Bewusst lieblos – aber durchaus intelligent arrangiert – malträtieren die Polit-Rocker solche X-Mas-Gassenhauer wie den „Little Drummer Boy“ oder „White Christmas“.

Eher ganz sachte lassen es Albrecht Mayer und die King’s Singers angehen: Let It Snow . Die Paarung Oboe-Vokalquintett bringt hier eine überraschend witzige und gleichzeitig ausgereifte Weihnachtsplatte hervor. Vor allem die Transkription von Vivaldis „Winter“ überzeugt. Und „Jingle Bells“ – 1857 geschrieben von dem US-Kirchenorganisten James Lord Pierpont – versprühen hier mehr englischen Humor, als es einem deutschen Christkind vielleicht lieb ist.

Das Spektrum der populären Jazz-Spielarten reicht beim Acoustic Christmas vom quietschvergnügt interpretierten Blues-Rock bis hin zum verrucht gehauchten Nightclub-Swing. Für diese Repertoire-Zusammenstellung hat das New Yorker Weltmusik-Label „Putumayo“ zehn aktuelle Cover-Versionen von weihnachtlichen Evergreens ausgesucht.

Der Klassik-Geiger Joshua Bell verschickt seine Musical Gifts an jene Adressaten, die zwischen Unterhaltungsmusik und einer angeblich ernsten Musik nicht mehr unterscheiden wollen. Mit Musikern aus verschiedenen Genres – von der Bluegrass-Geigerin Alison Krauss bis hin zur Latino-Pop-Sängerin Gloria Estefan – beweist Joshua Bell, dass für all Ausdrucksformen der Gefühle genügend Platz ist unter einem Weihnachtsbaum.

Der Pianist Andreas Obieglo improvisiert mit entspanntem Lounge-Feeling über 17 winterliche und weihnachtliche Melodien aus Europa auf seiner Doppel-CD Advent . Eigentlich ist es nur ein halbes Doppelalbum. In diesem Geschenkpaket liegen zwei CDs, die sich beim Abhören als zwei gleiche Tonträger entpuppen – die eine davon ist für dich, die andere für mich. wd@saw

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