Reiseführer Rom

Römische Residenzen des Malteserordens

Sie strebten an den Tiber, in den Bannkreis der römischen Kirche. Doch wann genau die Glaubensritter des Johanniterordens, die nach ihrer Niederlassung auf Malta (1530) auch als Ritter des Malteserordens bekannt sind, in Rom ansässig wurden, ist ungewiss. Dass die Verfolgung des Templerordens durch den französischen König und den französischen Papst ihnen in Rom in die Hände spielte, ist nicht auszuschließen. Johanniter/Malteser waren schließlich die Hauptnutznießer der Auflösung des Templerordens (1312) und in einem Fall, dem der Villa auf dem Aventin, ist der Besitzwechsel von den Tempelrittern zu den Johannitern/Maltesern zuverlässig dokumentiert.

Rom: Malteser

Casa dei Cavalieri di Rodi


Erste Niederlassung der Ordensritter, soviel ist sicher, waren die verlassene Kirche und das Kloster einer Glaubensgemeinschaft der Basilianer auf dem Augustusforum – ein Gebäudekomplex, der geschickt eingepasst war in das antike Mauerwerk der Anbauten des Forums. Die Ritter richteten ein Hospiz ein und widmeten die Kirche ihrem Patron Johannes der Täufer. Sie nannten ihr Zuhause Casa dei Cavalieri di Rodi (Rodi steht für Rhodos). Eine frühe Quelle, der Turiner Katalog von 1320, der alle Kirchen in Rom aufführte, spricht von „11 Hospitaliterbrüdern“ und „1 Hospitalhelfer“, die seinerzeit für den Orden vor Ort tätig waren. Unter dem Großprior von Rom (rangiert gleich nach dem Großmeister), Giovanni Battista Orsini (die Orsini-Familie zählt zum „schwarzen Adel“ Roms) wurde der Gebäudekomplex 1466 umgestaltet und erhielt so sein heutiges Aussehen. Genau hundert Jahre später löste Papst Pius V. die Heimstatt der Malteser auf und übergab sie Dominikanerinnen, die hier bis 1924 blieben. Die Malteser verlegten ihr Großpriorat auf den Aventin-Hügel in die Villa dei Cavalieri di Malta. Nach einem kurzen kommunalen Intermezzo, das den Gebäuden nicht gut bekam, wurde die Casa 1946 dem Orden wieder übereignet.

In vielen Veröffentlichungen heißt es, die drei römischen Residenzen des Ordens seien für Besucher „nicht zugänglich“ - so ganz stimmt das aber nicht, denn es gibt immer wieder Gelegenheiten, mit angemeldeten Gruppen oder zu bestimmten Anlässen, auch an ausgewählten Tagen das exterritoriale Terrain betreten zu können, wenn auch so manche Räumlichkeiten dauerhaft versperrt bleiben. Über die Modalitäten informiert visitorscentre@orderofmalta.int

Der Johanniter-/Malteser-Orden zwischen Pilgerfürsorge und Heidenkampf, Piraterie und Wohltätigkeit - Ein Blick in die Geschichte
Die Ursprünge des Hospital- und späteren Ritterordens der Johanniter sind in dem klösterlichen Pilgerhospital der Jerusalemer Benediktinerabtei Santa Maria Latina zu suchen. Bald nach der Eroberung Jerusalems durch die christlichen Krieger des ersten Kreuzzugs – das geschah am 15. Juli 1099 – löste sich das Hospital vom Mutterhaus (der Abtei) und wurde in eine unabhängige Institution umgewandelt – sehr wahrscheinlich in päpstlichem Auftrag.

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Auch die Casa dei Cavalieri di Rodi erlaubt hin und wieder einen Blick hinter die Kulissen. An der Piazza del Grillo, hinter einem Gittertor, führt eine unscheinbare Treppe auf eine Tür zu, durch die man in die Cappella di San Giovanni Battista gelangt. Travertinbögen auf allen vier Seiten, antike Steinblöcke, römisches Ziegelwerk und Reste von Fresken bestimmen den Raumeindruck. Die erwähnte Treppe führt weiter zum Salone d`Onore, der mit großen Landkarten ausgeschmückt ist, die an Malta und Rhodos erinnern und die Besitzungen des Ordens in Europa und im Mittelmeerraum darstellen. Acht an den Wänden aufgehängte Fahnen symbolisieren die acht „Zungen“ (Sprachen) der Ordensgemeinschaft. Über die Scala del Crocifisso erreicht man die Sala della Loggetta mit einem wunderschönen kleinen Balkon. Es folgt die Sala Bizantina, die Fundstücke aus dem 9. und 10. Jahrhundert präsentiert und schließlich, ein Stockwerk höher, ist die herrliche Loggia erreicht, ein „Belvedere“ aus dem 15. Jahrhundert, das angesichts der antiken Ruinenlandschaft ringsum ein architektonisches Ausrufezeichen setzt. Kalksteinquader und Ziegelwerk bilden seine Struktur, antike Säulen und Kapitelle stützen das Satteldach und formen eine Arkade aus fünf Bögen an der langen Westseite und eine weitere aus drei Bögen an der nördlichen Seite.

Rom: Malteser

Villa del Priorato di Malta


Wie schon oben angedeutet, wechselte das Großpriorat gezwungenermaßen vom Forum zum Aventin, einem der berühmten sieben Hügel Roms, auf denen der Legende nach die antike Stadt gegründet wurde. Das Anwesen auf dem Aventin ist seit dem frühen 14. Jahrhundert in der Hand des Ordens. Es wird Villa del Priorato di Malta genannt. Die deutschsprachige Sektion des Ordens spricht von der Magistralvilla. Zum Komplex der Villa zählt auch die Chiesa di Santa Maria del Priorato. Für das institutionelle Ordensleben ist die Villa von erheblicher Bedeutung, wurden doch in ihrem Kapitelsaal sechs der letzten Großmeister gewählt. Hier werden Staatsoberhäupter und Regierungsangehörige empfangen und das diplomatische Korps versammelt sich zum Neujahrsempfang. Die Villa genießt exterritorialen Status. Ohne eine besondere Genehmigung gibt es für Touristen keinen Zutritt.

Sehr zum Leidwesen der Besucher des Aventin hat sich der Orden durch Mauern, Tore und dichte Vegetation so abgeschirmt, dass ein Blick auf Kirche und burgartigen Palast oder gar ein aussagekräftiges Foto Wunschtraum bleiben muss, sofern nicht eine offizielle Erlaubnis zum Betreten des Terrains eingeholt werden kann. Öffnet sich mal das Tor, um ein Auto passieren zu lassen, wird den verdutzten Passanten sofort durch das herunter gelassene Seitenfenster zugerufen, dass der Zutritt verboten sei.

Rom: Malteser

Stele mit dem Malteserkreuz an der Piazza


Seinen besonderen, noch heute überaus beeindruckenden Charakter erhielt die Niederlassung der Malteser durch das Wirken des Venezianers Giovanni Batista Piranesi. Jeder, der sich mit Rom befasst hat, wird schon auf ihn gestoßen sein, den Kupferstecher und seine virtuosen Abbildungen aus den Vedute di Roma. Aber von der Ausbildung her war er Architekt. Der Auftrag der Malteser (1764 – 1766) unter Großprior Giovanni Battista Rezzonico blieb sein einziges bekanntes architektonisches Projekt. Zunächst widmete er sich dem Vorplatz, der Piazza dei Cavalieri di Malta und gestaltete sie im Stil einer antik-römischen Gräberstraße mit Stelen und Inschriften, Obelisken und Zypressen. Dann ließ er die Portalfassade errichten mit dem berühmten Schlüsselloch („Buco della Serratura“), das jedem Romreisenden ans Herz gelegt wird, weil man, eingerahmt von dem Grün eines Laubengangs aus Lorbeerbäumen, die Peterskuppel so romantisch zu sehen bekommt. Piranesis Eingangsfront zeigt Kriegstrophäen und auch Rezzonico hat sich mit seinen Familienwappen verewigen lassen. Dahinter öffnet sich der Garten mit geometrisch angelegten Beeten und üppiger Vegetation. Höhepunkt des Ensembles ist die Grabkirche der Ordensritter, Santa Maria del Priorato: Ein Bau mit einer streng gehaltenen Tempelfront, kanelierten Pilastern, einem Dreiecksgiebel sowie einem auffallenden Rundfenster – eine frühe klassizistische Fassade. Der burgartige Palazzo der Magistralvilla nahe der Kirche beherbergt im Erdgeschoss die Botschaften der Malteser beim Heiligen Stuhl und bei der italienischen Republik. Im ersten Stock befinden sich repräsentative Räume, im Stockwerk darüber residiert der Großprior und dort liegt auch der Kapitelsaal, wo das maltesische Generalkapitel sich trifft, der Großmeister und die Regierungsmitglieder gewählt werden.

Seit 1834 beherbergt der Palazzo di Malta (auch als Palazzo Magistrale bezeichnet) in der Via dei Condotti Nr. 68 den Regierungssitz des Souveränen Malteserordens, in eben jener Straße, die immer dann spontan genannt wird, wenn es um die Beantwortung der Frage geht „Where to shop in Rome?“. Sie wirkt schon etwas deplatziert, die Kommandozentrale der Malteser mit exterritorialem Status, inmitten der Glitzerwelt der hier versammelten Topadressen der internationalen Modeszene. Der Magistralpalast, wie ihn die deutschen Malteser nennen, stammt vom Ende des 16. Jahrhunderts und ging durch Schenkung 1629 in den Besitz des Ordens über, der das Gebäude viele Jahrzehnte als Botschaft des Ordens am Heiligen Stuhl nutzte. Die lateinische Inschrift an der Ecke Via dei Condotti/Bocca di Leone gibt Einblicke in die Geschichte des Hauses. Über dem mit Quadermauerwerk eingefassten Portal stützen starke Konsolen den Balkon, von dem die Fahnen der Malteser wehen. Die Fenster im ersten Stock werden abwechselnd von bogenförmigen und dreieckigen Tympana überspannt, im zweiten sind es Architrave. Das Gebäude wird von einem auskragenden Gesims gekrönt.

Um die Ecke, in der Bocca di Leone Nr. 73, sind das Visitors Centre und die Post untergebracht, wo man Briefmarken des Ordens kaufen kann, die in den 57 Ländern akzeptiert werden, welche mit dem Malteserorden Postverträge abgeschlossen haben. Im Palast tagen die Regierungsorgane, werden hochkarätige Besucher empfangen und hier arbeiten die Ministerien für Äußeres, Inneres und Finanzen sowie das Pressebüro der Regierung. Untergebracht sind an der Via dei Condotti auch die Zentralbibliothek und die Archive des Ordens.





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