Santa Costanza
Sant`Agnese-Umgangsbasilika
Constantina und ihre Schwester Helena waren Töchter des römischen Kaisers Konstantin und seiner Gemahlin Fausta. Konstantin ebnete den Weg für den Aufstieg des Christentums im Römischen Reich. Constantina soll, so will es die Legende, am Grab der hl. Agnese von einer schweren Lepra-Erkrankung geheilt worden sein, woraufhin sie sich taufen ließ und später den unter Historikern nicht unumstrittenen Heiligenstatus erhielt. Es könnte, so wird gemunkelt, eine „Verwechslung mit einer Nonne gleichen Namens“ vorliegen.
Die Metro-Linie B1 bringt Besucher zügig zur Station Sant`Agnese/Annibaliano. Von dort steigt man die Straße aufwärts zur Rundkirche Santa Costanza, vorbei an der etwas verdeckten Emporenbasilika Sant`Agnese fuori le Mura. Auf dem Vorhof der Costanza angelangt, fällt der Blick durch einen Drahtzaun auf das weite Ruinengelände der Sant`Agnese-Umgangsbasilika. Und vor uns liegt nun der Rundbau nach dem Vorbild römischer Rotunden, aber mit diversen Abwandlungen.
Emporenbasilika di Sant`Agnese fuori le mura
Durch einen langrechteckigen Vorbau mit dem Eingang betritt man den in schlichtem Backstein errichteten Rundbau, der sich nicht düster präsentiert wie frühere Rotunden, sondern mit seinem lichtdurchfluteten, kreisrunden und hohen Kuppelraum den Betrachter überwältigt.
Wer diesen gigantischen Raum betritt, der sich über 90 m erstreckt, 27 m breit ist und eine schwindelerregende Höhe von 28 m erreicht, verspürt ein Gefühl der Weiträumigkeit wie in keiner anderen römischen Kirche, auch nicht im Petersdom. Dieser einstige Thermensaal ist ein großartiges Beispiel für die Wahrung harmonischer Proportionen in der römischen monumentalen Baukunst. Ein Durchgang mit Kapellen an jeder Seite führt in den tiefen Chor, der in einer polygonalen Apsis endet. Sie reicht weit in den Raum der früheren Natatio (großes, offenes Schwimmbecken) hinein. Von der Apsis war der kleine Kreuzgang erreichbar, während der große, nordöstlich der Kirche gelegen, keine Rücksicht auf den Thermengrundriss nahm und ihn überschritt. Hier reihten sich die Zellen der Einsiedlermönche an den 80 m langen Kreuzgängen auf, die von hundert Travertinsäulen gestützt werden.
Doppelsäulen, die zwölf Arkaden bilden, stützen einen zylinderförmigen Tambour (d. i. der Unterbau der Kuppel) mit weit oben angeordneten großen Rundbogenfenstern. Die Kuppel mit einem Durchmesser von 11,50 m schließt den Raum nach oben ab. Sie weist ein Fresco mit zahllosen figürlichen Darstellungen auf, das im Zuge der Barockisierung (1620) die ursprünglich vorhandenen Mosaiken ersetzte. Viele spätantike Fresken und Mosaiken wurden damals entfernt. Nach sehr genauen alten Zeichnungen von Antonio da Sangallo konnte man in der Mussolinizeit 1938/39 einige Mosaiken, die christliche Szenen und profane Themen der Spätantike darstellten, rekonstruieren.
Die erwähnten prachtvollen Säulenpaare werden von Kompositkapitellen gekrönt, einer kunstvollen Melange aus den spiralförmigen Voluten ionischer und den stilisierten Akanthusblättern korinthischer Kapitelle.
Ein ursprünglich vorhandener äußerer Umgang, konzipiert als offene Säulenringhalle ganz im Einklang mit einem antik-römischen Rundtempel, existiert nicht mehr. Ein weiterer, innerer, tonnengewölbter Umgang, den die Säulen gegen den lichten Kernbau abgrenzen, wirkt „wie ein dunkler Schattengrund“. Nischen im Mauerwerk des Umgangs bewahren kostbare, wenn auch restaurierte Mosaiken aus konstantinischer Zeit. Der Umgang ist eng und düster mit wenigen Lichtschlitzen im massiven Mauerring und sorgt auf diese Weise für starke Kontraste: dunkle Enge gegen lichte Weite, die Leichtigkeit der Säulenarkaden gegen die Schwere der Mauer mit ihrem Nischenkranz. Gerade diese römischen Vorbildern nachempfundene massive Innenmauer mit ihrem typisch römischen Nischenkranz betont den antik-römischen Charakter der Anlage.
Das Mausoleum
Einst stand in der Apsis gegenüber dem Eingang der üppig ausgeschmückte Porphyr-Sarkophag der Constantina. Er wird heute in den Vatikanischen Museen verwahrt. Der im Mausoleum aufgestellte Sarkophag ist eine Kopie.