Streifzüge durch die südliche Peloponnes

Iklaina


Von Pylos sind es ca. 18 km nach Iklaina. Man nimmt dazu die Straße nach Kalamata, biegt nach 5 km hinunter an die Navarino-Bucht, folgt ihrem Ufer bis Giálova und nach einem weiteren Kilometer führt eine nach rechts abzweigende Nebenstraße die Besucher in wenigen Minuten nach Iklaina. Umgeben von Olivenhainen liegt das Bauerndorf mit seinen vielleicht 300 Einwohnern rund 190 m hoch auf einem Plateau – ein Dorf wie viele andere in dieser fruchtbaren messenischen Landschaft, gäbe es nicht einen wesentlichen Unterschied: 2006 wurden am Rande der Siedlung die Ruinen mykenischer Bauten entdeckt.

Eigentlich war es eine Wiederentdeckung, hatte doch schon der namhafte griechische Archäologe Spyridon Marinatos vor vielen Jahrzehnten die Stätte aufgespürt, sich aber aus Zeitnot nicht weiter mit ihr beschäftigen können, wodurch sie nahezu in Vergessenheit geriet. Aus ihrem Dornröschenschlaf erweckte sie nach der Jahrtausendwende der Archäologe Michael Cosmopoulos. Mit seinem Team vom Department of Anthropology and Archaeology der Universität von Missouri – St. Louis erforscht er in jährlichen Grabungskampagnen das hügelige Terrain. Das Ausgrabungsgelände ist nicht einfach zu finden. Ohne die freundliche Hilfe von Dorfbewohnern würde man sich im Gewirr der Feldwege verlaufen. Hat man den gesuchten Ort endlich erreicht, steht man oft genug vor verschlossenen Toren. Das Gelände ist umzäunt und ein Blechschild am Tor teilt lapidar mit:

Zugang zur archäologischen Stätte nur mit Erlaubnis des Amtes für Altertümer Messeniens

Iklaina
Und selbst wenn man das Glück hätte, das Gelände während einer der kurzen Grabungskampagnen im Sommer zu erreichen, dürfte man wahrscheinlich den Ausgräbern nicht so einfach über die Schulter sehen. Dabei würde es sich lohnen, denn hier werden Strukturen ausgegraben, die auf eine komplexe Baugeschichte hinweisen. Wann Baukörper entstanden, welchen Zwecken sie dienten sind Fragen, die nur vorläufig zu beantworten sind und oft auf Grund neuer Erkenntnisse revidiert werden müssen. Das ist das eigentlich Spannende an diesem Ort der Forschung, dass sich nach und nach Ergebnisse, aber noch keine Gewissheiten über eine Zeit einstellen, die rund 3.500 Jahre zurückliegt. So erfuhr kürzlich auch die Einordnung Iklainas in die politische Geschichte Messeniens eine Umdeutung. Anfänglich war man davon ausgegangen, dass Iklaina eine Bezirksverwaltung beherbergte, die dem Nestor-Palast unterstand. Jetzt darf man den Grabungsreports entnehmen, dass das Zusammenspiel gleichwertiger Kräfte die Machtstellung des Nestor-Palastes begründete.

Iklaina war vermutlich zwischen 1600 v. Chr. bis 1200 v. Chr. besiedelt. Zur Zeit wird in drei Grabungskomplexen gearbeitet. Freigelegt wurde ein Megaron (Halle, Hauptraum), eine Art Handwerkertrakt, Wohnquartiere, eine Terrasse, errichtet aus zyklopischen Steinquadern vielleicht als Fundament eines Tempels, auch eine Treppe wurde entdeckt und eine „sorgfältig plattierte Straße“ sowie Fragmente von Wandgemälden.

Wenn man zur falschen Zeit vor Ort erscheint und die Grabungstätigkeit bis auf weiteres ruht, sind alle Areale sorgsam mit schwarzen Planen abgedeckt.

Iklaina





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