
En route
Besucher, die von Thessaloniki oder Athen kommend die Peloponnes ansteuern, werden sehr wahrscheinlich die Route über den Isthmus von Korinth wählen und über die Autobahn in den Inselsüden chauffieren. Schon am Ziel ist, wer mit dem Flugzeug nach Kalamáta, der Metropole Messeniens, reist – ein Zwei- bis Dreistundenflug, der immer mehr Zuspruch findet. Viele, die mit dem eigenen Auto unterwegs sind, meiden die lange Balkan-Tour und nutzen stattdessen die Autofähren, die von Ancona und Venedig Richtung Griechenland starten. Sie queren Adria und Ionisches Meer, um nach 16 – 24 Stunden in Igoumenítsa oder Pátras festzumachen.
Wer in Igoumenítsa ankommt, durchfährt anschließend auf der A5 (zugl. E55 und E951) die bergige Region Epirus und den landschaftlich abwechslungsreichen Bezirk Ätolien-Akarnanien. Und dann, schon nahe dem Golf von Korinth, kommt das erste große Ausrufezeichen der griechischen Reise in Sicht: das filigrane technische Wunderwerk der Río-Antírrio-Brücke, die den Golf an seiner schmalsten Stelle überspannt. Wer in Pátras an Land geht, kann sie aus einiger Entfernung bestaunen, wer von Igoumenítsa kommt, wird sie auf der Reise in den Süden überqueren.
Nafpaktos
Steht genügend Zeit zur Verfügung, könnte man noch vor der Fahrt in die südliche Peloponnes einen lohnenden Abstecher in das gastfreundliche Náfpaktos am nördlichen Ufer des Golfs einplanen. Das Städtchen überrascht mit einer weitläufigen, gut erschlossenen Burganlage in luftiger Höhe und einem mittelalterlichen Hafen. Es hieß unter venezianischer Herrschaft Lepanto, Namensgeber für die letzte große Galeerenschlacht der Geschichte, als 1571 Osmanen und christliche Mittelmeermächte hier in der Nähe aufeinandertrafen. Als Marineinfanterist dabei war der Schöpfer des unsterblichen Don Quichotte, Miguel de Cervantes. Ein Denkmal am Hafen erinnert an des Dichters sonderbare Profession.
Delphi
Náfpaktos ist ideal gelegen für einen Besuch des Weltkulturerbes Délphi, wo Schluchten und kahle Steilhänge den „Mittelpunkt der Welt“ umrahmen, wie die Menschen der Antike die Kultstätte des Orakels ehrfurchtsvoll priesen. Nicht weit von hier, an den Hängen des Parnass in rund 1.000 m Höhe, liegt das Städtchen Aráchova. Mit seinen frischen Sommern und winterlichem Skizirkus hat es sich zu einer touristischen Hochburg gemausert. Und wer auf Nebenstraßen noch weiter nach Osten vordringt, erreicht das berühmte Kloster Osios Lukás, dessen Anfänge bis in das 10. Jahrhundert zurückreichen. Auch sein ehrwürdiges Gemäuer zählt zum Weltkulturerbe.
Killini
Auf dem Weg in den Süden wird Pátras, Griechenlands drittgrößte Stadt, umfahren. Hier endet die Autobahn und man fährt weiter auf der E55 durch die historischen Landschaften Achaía und Elis (neugr. Ilía). Für eine schnelle Abkühlung zwischendurch bieten sich die feinsandigen Badestrände der Kíllini-Halbinsel an. Sie liegen nur wenige Kilometer abseits unserer Route. Eine gute Wegstrecke weiter südlich, nahe der Abzweigung nach Olympia, wird Pýrgos durchfahren. Die 50.000 Einwohner-Stadt ist das nicht sonderlich einladende wirtschaftliche Zentrum der westlichen Peloponnes. Wenig später überqueren wir den träge dahinfließenden Álfios mit seinem ausgedehnten Geröllbett. Fruchtbare, intensiv bewirtschaftete Landstriche schließen sich an. Und endlich rückt auch unser Ziel näher, eine diesige Meeresbrise gibt den Blick frei auf den Burgberg von Kyparissía. Die kleine Stadt am Meer wird unser Ausgangspunkt sein für Ausflüge in die Ebenen und das Bergland Messeniens, jener einst unaufhörlich umkämpften Landschaft, die Dank ihrer fruchtbaren Böden und ihres Wasserreichtums schon in früher Zeit dicht besiedelt war.

Kyparissía